Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Der Mosaismus und das Judentum
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111080-3112429--1807-3112521- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
77 an nüchternem Denken aus der Fremde verschleppt war und eigentlich kein beneidenswertes Dasein gefunden, da die eigentlichen Dezisoren für die Praxis immer den Skrupel hatten, ob das nicht „emoritischer Brauch" sein könnte. VI. Die monotheistische Tendenz. Verläßt man den Boden geschichtlicher Forschung und sieht die Sache mit heutigen Augen an, so wird man die Frage, ob auch das Heidentum eine monotheistische Tendenz hatte, ohne weiteres bejahen. Ist doch das Zusammenfassen des Vielen in eine Einheit geradezu das Wesen des menschlichen Geistes, findet doch die Vernunft nicht früher Beruhigung, bis sie „den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht" gefunden. Und dessen dürfen wir gewiß sein, daß uns die Geschichte nicht gerade etwas wird finden lassen, was der Natur des menschlichen Geistes widerspricht. Aber wenn wir näher auf den Sinn und die Absicht unserer Frage eingehen, so wird man sie nicht nach einer Art apriorischen Meinens beantworten, sondern ein Eingehen wenigstens auf die edelsten Formen des alten Heidentums sich nicht ersparen. Wir haben ja die Frage nicht blos in dem Sinne und der Absicht aufgeworfen, um zu erfahren, ob nicht trotz der Vielnamigkeit und Besonderheit der einzelnen Götter die Tendenz zur Zusammenfassung derselben entweder in einen obersten Gott oder in einen sie alle erzeugenden Urgrund sich finden läßt, sondern vor allem im Zusammenhang mit unsern bisherigen Untersuchungen zu dem Zwecke, um uns zu überzeugen, ob die in den heidnischen Religionen etwa sich findende monotheistische Tendenz ihnen den Ertrag für das Leben brachte, den ein wirklicher Monotheismus bringt. Daß die Frage im letztem Sinne verneint werden muß, soll unsere Untersuchung zeigen. Gehen wir darum auf das griechische Heidentum als auf die edelste, auf das ägyptische und babylonische ein als auf die Formen des Heidentums, denen wir ob ihres Alters und um ihrer geschichtlichen Beziehungen willen einen Einfluß auf das Judentum zuschreiben können. Auffallend dürfte Vielen das Ergebnis erscheinen, daß am wenigsten die griechische Volksreligioy monotheistische