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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 74

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 74 (sequence 40)
Language
German
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Mächten, denen man sonst nicht erreichbare Wirkungen zutraut, den Versuch macht, durch allerlei Künste sich diese Mächte zu gewinnen, daß die Religion so in Magie umschlägt und daß selbst die religiösen Menschen, welche es für unerlaubt halten, sich der Magie zu ergeben, sie dennoch als eine geheimnisvolle Kunst scheuen und vor ihr zittern. Das alles ist beim Mosaismus und Prophetismus, so lange er rein aufgefaßt wird, nicht möglich. „Niemand außer ihm" heißt es. Dieses Wort hält sich noch ein Talmudlehrer als Schutzwehr vor zu einer Zeit, wo leider der Aberglaube aus der heidnischen Umgebung in die jüdischen Kreise gedrungen war. Er fürchtet die Hexe nicht, denn en od rnilbado „Niemand außer ihm!" (Chulin 7b.) Auch bei der Annahme, daß Gott zum Beweise seiner Macht die Naturgesetze nicht respektiert, kann bei richtiger Auffassung der prophetischen Lehren niemand auf den Gedanken kommen, auf ihn magisch wirken zu wollen. „Liebe verlange ich, nicht Schlachtopfer" (Hosea 6, 6). Gerade weil im Mosaismus allem Andern in der Welt jede Herrschaft über die Natur genommen ist und sie ganz auf den durch und durch moralisch aufgefaßten Gott übertragen ist, gerade weil er „allein Wunder tut," sind die abergläubischen Wege, zu Macht und Gunst und Weisheit zu kommen, abgeschnitten. Man mag immerhin zeigen: auch in einer streng monotheistischen Religion sindet sich Aberglauben, er ist darin trotz und nicht wegen des Monotheismus. Sowie er erkannt wird in seiner Reinheit und Wahrheit, schwindet auch der Aberglaube. Der Monotheismus hat eben die Natur, die ihm an sich fremden abergläubischen Zutaten auszuscheiden, der Polytheismus aber kann sich sublimieren so fein er will, er ist Grund und Quelle für den Aberglauben. Geschichtlich läßt sich das leicht belegen. Maimonides war bekanntlich ein orthodoxer Lehrer des Judentums, der kein gültiges Gebot der Schrift auch in seiner Auslegung und Erweiterung durch den Talmud für unverbindlich hielt. Dennoch scheidet er rücksichtslos in seiner Kodifikation der talmudischen Halacha alles Abergläubische, das im Talmud sich findet, aus. Er kennt keine Schedim (Geister), keinen astrologischen Wahn, keinen Zauberspuck und dergleichen.

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