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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 72

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 72 (sequence 38)
Language
German
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72 FÜ4 die Schrift giebt es nichts als Gott und Welt, die sie wohl auch als „Himmel und Erde" bezeichnet/) Und im Grunde genommen hat die Bibel recht. Denn wer will in Abrede stellen, daß durch den von den Griechen entlehnten Vorstellungsinhalt und Sprachgebrauch die Natur leicht zu einem mythologischen Wesen wird, welches sich, zwischen die Dinge und Gott selbständig einschiebt? Meint man aber, daß umgekehrt wiederum dem biblischen Schriftsteller dadurch jede Vorstellung von festen Naturgesetzen fehlt, so ist das nicht ganz genau. Um auszudrücken, wie fest Gott an seinem Bunde mit den Nachkommen Jakobs und Davids halten werde, läßt z. B. Jeremias 33, 25 ff. Gott sagen, daß dieser Bund so fest sei, wie er die ewigen, großen Weltgesetze und Naturordnungen bestimmt habe. Aehnlich wird daselbst 31, 35—36 von den nie weichenden Satzungen für Sonne, Mond und Sterne geredet. Nicht minder Hiob 38, 33 von den für den Himmel geltenden Satzungen. Aber wahr ist das Eine, daß durch die biblische Vorstellung, nach welcher Gott selbst zugleich für die Natur mit funktioniert („der zu seinem Fahrzeug Wolken macht, der auf Windesflügeln einhergeht, der zu seinen Boten Winde macht, zu seinen Dienern flammend Feuer, der sprossen läßt Gras fürs Getier, Kraut zum Dienste des Menschen" u. s. w.), den biblischen Schriftstellern der Unterschied, ob Gott seine Wunderkraft mit Respektierung der Naturgesetze oder mit deren Aushebung bekundet, nicht ins Gewicht fällt. Der Regenbogen ist so gut ein „Oth" (Zeichen, Wunder) wie das, was wir heute im engern Sinne Wunder nennen. Lessings Wort: „Der Wunder höchstes ist, daß uns die wahren, echten Wunder so alltäglich werden können, werden sollen", paßt mehr auf uns als auf die biblischen Schriftsteller. Sie werden nicht satt, gerade die alltäglichen Wunder als Taten Gottes zu preisen. Freilich fällt es ihnen auch, ebensowenig schwer, Gott wirken zu lassen durch eine Verschiebung, be- *) Natur ist ein heidnisches Wort, das mythologische Surrogat für einen Gott. „Teba" ist erst mittelalterlich. Ausdrücke wie „natürlich und übernatürlich" passen nicht ins alte Testament. Der Gegensah ist: Schöpfer und Geschöpf, ursprüngliches Sein und abgeleitetes Sein.

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