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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 70

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 70 (sequence 36)
Language
German
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70 Derselbe Maimonides aber sucht — und das mit mehr Glück — die Bedeutung des Wunders innerhalb der mosaischen Religion herabzusetzen, indem er es aus seiner zentralen Stellung rückt. Er sagt einmal: „An unfern Lehrer Mose glaubten sie nicht wegen der Wunder, die er getan, denn wer nur um der Wunder willen glaubt, in dessen Herzen bleibt ein Skrupel zurück." (H. Jesode hatora, Kap. 8. Vgl. Deuteron. 13, 2—5.) In der Tat, so wenig in diesen Worten die Lösung liegt, so enthalten sie doch ein Moment, das wir uns bei unserer Erörterung nicht entgehen lassen dürfen. Beginnen wir die Sache selbständig und von neuem. Das Mittelalter konnte die Frage nicht lösen, weil Bibelkritik im heutigen Sinne des Wortes, ich will nicht sagen nicht existierte, aber sich nicht hervorwagte. Daß in der Bibel häufig die Tatsache, welche wirklich geschehen, von der Wiederspiegelung der Tatsache in der Relation muß unterschieden werden, nahm man nicht an. Ebensowenig daß die ganze heutige Auffassung von natürlich und übernatürlich der Schrift fremd ist. Wir aber werden Beides für unsere Behandlung der Sache nicht unbenutzt lassen können. Der Wunderglaube in einem gewissen Sinne und in einem gewissen Umfange gehört so sehr zur Religion, daß man sagen kann, ein gewisser Wunderglaube ist mit dem Glauben an Gott ganz von selbst gegeben. Wer leugnet, daß Gott auf die Welt einwirkt, die Ereignisse gestaltet, die Natur in den Dienst seiner Zwecke nimmt, hat überhaupt keinen Gott. Nicht Alle haben sich das klar gemacht. Die Wunderleugner haben folgende Disjunktion hingestellt: entweder glaubt man an die Konstanz der Naturgesetze, dann giebt es überhaupt kein Wunder, oder man ist abergläubisch genug, die Natur gelegentlich auch als losgebunden von ihren Gesetzen hinzustellen, dann freilich ist alles möglich, dann möchten wir aber auch wissen, welche abenteuerlichen Erzählungen nicht geglaubt werden können. Die dritte Möglichkeit, daß die Konstanz der Gesetze gewahrt bleibt, Gott aber diese Gesetze in seinen Dienst nimmt, um seine Zwecke zu erreichen, sie war wohl dem Mittelalter bekannt, weil es eben gottgläubig war, ist aber nicht ebenso bekannt denen, die sich gegen alles wunderbare Geschehen auflehnen. Machen sie sich ihren Gedanken klar, so liegt

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