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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 66

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 66 (sequence 32)
Language
German
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66 von Pietschmann, S. 287—288): „Die Glaubensrichtung der Israeliten bildete den ausfälligsten Gegensatz zu den kananäischen Religionen. Bei den Juden finden sich wohl einige unklare Spuren von einem ursprünglichen Heidentum, Götter (elohim), heilige Steine (Bethel), Götzenbilder (theraphim), welche Familiengötter sind und zu dem ererbten Besitz des Stammes gehören, sie sind jedoch im Grunde Monotheisten. Und dazu hat sich ihr Monotheismus niemals wie in Aegypten und Chaldäa unter einer pantheistischen Hülle versteckt, er ist es innerlich und äußerlich. Sie haben nur einen Gott und diesen Gott vermengen sie nicht mit dem Weltall, gestehen ihm weder Bestandteile noch Geschlecht zu. Ihr Gott ist von der Welt abgesondert, erzeugt nicht, noch wird er erzeugt, empfängt nicht, noch wird er empfangen, kein Gott steht ihm gleich, noch ist ihm einer untergeordnet. Die ganze Natur ist seiner Hände Werk, die Naturgesetze sind nicht vergötterte Aeußerungen von ihm, sondern bleiben stets beabsichtigte Wirkungen seiner Gottheit. Der Donner ist seine Stimme, der Blitz sein Licht, seine Waffe der Hagel und der Sturmwind. Donner, Blitz und Hagel werden nie zu selbständigen Wesen, sie sind Thaten Gottes." Freilich bleiben uns jetzt noch die Fragen zu erörtern: Sind denn im Mosaismus nicht auch abergläubische Momente vorhanden und hat nicht auch das Heidentum monotheistische Tendenz? V. Der Mosaismus und das Wunder. Es gehört nicht viel Nachdenken dazu, um auf die Frage zu kommen: Wie kannst Du den Mosaismus als Befreier von allem Aberglauben nennen, wenn doch der Wunderglaube in ihm lebendig ist, ein Glaube, der Vielen einfach als Aberglaube erscheint? Es gehört schon etwas mehr Nachdenken dazu, um trotz dieses Wunderglaubens den Mosaismus und den ganzen Prophetismus in ihrer das Gemüt befreienden und läuternden Kraft zu erkennen. Als daher mein verewigter Bruder das glückliche Thema behandelte: „Der Aberglaube und die Stellung des Judentums zu demselben,"*) da wurde ihm von der Kritik entgegen- *) Von Dr. D. Joel, Seminarrabbiner. Heft I erschien bei Wilh. Köbner (Breslau) 1881, Heft II bei Schottländer 1883.

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