Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Der Mosaismus und das Judentum
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111080-3112429--1795-3112509- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
65 immer aus der Mitte Israels geschwunden ist. Doch kommen wir auf den Gedanken zurück, wie die Höhe der religiösen Anschauung bei den Propheten tatsächlich nur eine einfache Konsequenz des Monotheismus war. Die Unvergleichlichkeit Gottes, die ihn weghebt über alles Werden und Entstehen, über Leiden, Schicksale und darum auch über Leidenschaften und Begierden giebt ihm einerseits ein Sein, wie es kein anderes Wesen hat, das ursprüngliche, das unabgeleitete Sein, also das Prädikat der Ewigkeit im Gegensätze zu allem anderen, das nur geschaffen ist, andererseits ein inneres Wesen, das selbst frei von Bedürfnissen, keinen anderen Dienst verlangt als den Wandel, der in der Schrift ausdrücklich als „Weg Gottes" bezeichnet wird, zu wahren Liebe und Recht. Die Ewigkeit und die Heiligkeit Gottes sind im Monotheismus eingeschlossen und brauchen blos aus ihm hervorgeholt zu werden, wie sie in der Tat daraus häufig bei den Propheten hervorgeholt werden. Im Jesaias sind bisweilen alle diese Eigenschaften Gottes, seine Unvergleichlichkeit, Heiligkeit, schöpferische Erhabenheit über alles Geschaffene und Ewigkeit, gleichsam in einem Atem ausgesprochen: „Wem wolltet ihr mich vergleichen, daß Ich gliche, spricht der Heilige? Erhebet eure Augen gen Himmel und sehet: wer hat das alles geschaffen?" (Jef. 40, 25—29.) Dasselbe Kapitel macht auch aus dem Umstande, daß er alles hervorgerufen, die Konsequenz, daß kein Dienst, der ihm geweiht ist, seinetwegen gethan werde, sondern nur unseretwegen, in den Worten: „Der Libanon genügte nicht zum Brennholz und sein Wild genügte nicht zum Ganzopfer" (V. 16). Wir sprechen also einstweilen unter Vorbehalt der noch näheren Entwickelung als Resultat der ganzen Betrachtung den Satz aus, daß die monotheistische Fassung des Gottesbegriffes allein imstande ist, den Glauben und die Verehrung Gottes von Aberglauben fernzuhalten. Wir sehen im Polytheismus und im Aberglauben geradezu Wechselbegriffe. Auch finden wir im Altertum nur einen wahren Monotheismus, den des Judentums, und glauben, ihn nicht besser schildem zu können als mit den wahrhaft klassischen Worten Maspero's ^Geschichte der morgenländischen Völker im Altertum, deutsch