Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Der Mosaismus und das Judentum
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 30)
- Language
- German
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64 Herzen und deiner ganzen Seele u. s. wzu deinem Besten." (Deut. 10, 12—13 *). Ebenso ist es ausgesprochen in den Worten des Hiob (35, 7): „Wenn du gerecht bist, was gibst du ihm oder was nimmt er von deiner Hand"? Durch diese Anschauung wird der ganze Gehorsam gegen Gottes Gebot geweiht, so daß er unmöglich auf die Länge als blos äußerlicher Dienst verrichtet werden kann, sondern als ein Dienst vor allem des Herzens erkannt werden muß. So heißt es in der Schrift (Deut. 10,17): „Gott ist ein Gott, der nicht Bestechung nimmt," was im Talmud gut erklärt wird: „auch uicht Bestechung durch Hebung einer religiösen Pflicht." Das sittliche Pathos aller großen Propheten richtet sich daher keineswegs blos gegen den Götzendienst, sondern.auch gegen die monolatrische, das heißt äußerliche Verehrung auch des wahren Gottes. Nicht um Abstellung des Opferdienstes, um eine kultische Reformation, ist es ihnen zu tun, sondern um die Darlegung, wie völlig unnütz der äußere Dienst ist, wenn das Herz unheilig und die Handlungsweise lieblos und ungerecht ist. Will man Beispiele anführen, so kann man ganze Seiten aus den Propheten abschreiben, was ich in der Voraussetzung unterlasse, daß darüber ja keine Meinungsverschiedenheit herrscht. Man macht freilich geltend, daß das Alles nach dem Exil sich geändert habe, daß da der äußere Dienst in den Vordergrund getreten ist, und tut, als ob Esra sich mit den Propheten gar nicht vereinigen lasse. Jndeß daß Esra den Idealismus der Propheten zu einem Sauerteige machte, der das ganze Volk durchdrang, daß er den monotheistischen Gedanken durch straffere Handhabung des Gesetzes unverlierbar machte, daß er erkannte, wie hohe Gedanken niemals ein Volk beherrschen, wenn sie ihm nicht täglich in sichtbaren Uebungen entgegentreten, ist ein Ruhmestitel, der ihm bei den Lehrern mit Recht den Namen eines zweiten Moses einträgt und der ihm vor allem dadurch für alle Zeiten gesichert bleibt, daß durch sein und ähnlicher Männer Wirken jede Spur von Götzendienst für *) Merkwürdig ist es, daß der Talmud (Berach. 33 b) den vollen Sinn dieser Stelle verkennt; richtig erkannt und erklärt ist sie von Nachmanides.