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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 63

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 63 (sequence 29)
Language
German
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63 keine Leidenschaften und Bedürfnisse. So oft die Schrift in die Sprache der Welt zurückfällt, wo sie von Gott redet, die Propheten überwinden auch diese Sprach- und Vorstellungsreste. Das reinste Verhältnis, das der Mensch zu Gott haben kann, ist offenbar der Dienst, den der Mensch Gott weiht aus Liebe. „Du sollst lieben den Ewigen deinen Gott von ganzem Herzen und von ganzer Seele und mit ganzem Vermögen" ist aber deuteronomisches und sonstiges prophetisches Programm. Diese Liebe entspringt aus der Ueberzeugung, daß Gott nichts befiehlt, damit er dadurch gewinne, sondern lediglich, damit wir dadurch erhöht werden. „Und nun Israel, was verlangt der Ewige, dein Gott von dir? Nichts.als zu fürchten den Ewigen deinen Gott, zu wandeln in allen seinen Wegen und ihn zu lieben und zu dienen dem Ewigen deinem Gotte mit deinem ganzen folge nur fromme Zwecke. . . Dennoch ist das Interesse des Erzählers nicht hauptsächlich ein religiöses. Hätte er blos sagen wollen, Gott habe die Welt aus nichts geschaffen und er habe sie gut geschaffen, so hätte er das einfacher ausdrücken können und zugleich deutlicher. Er will ohne Zweifel den tatsächlichen Hergang der Entstehung der Welt naturgetreu schildern, er will eine kosmogonische Theorie geben. Wer das leugnet, verwechselt den Wert der Geschichte für uns, und die Absicht des Schriftstellers." (Vgl. Prolegomen a zur Geschichte Israels S. 310—312.) Jndeß ich kann nicht finden, daß Wellhausen im Rechte ist. Wäre diese Stelle die älteste gewesen, die sich über Entstehung der Welt vernehmen läßt, hätte es keine allgemeine kosmogonische Sage bei den verschiedenen Völkern gegeben, dann war es vielleicht am Platze, zu behaupten, daß der Verfasser hier ein auch außerhalb der Religion liegendes theoretisches Interesse mit seiner Darlegung verfolgt. Nimmt man aber den Verfasser als vertraut mit heidnischen Kosmogonien an, so ist die Umformung derselben ins Religiöse so genial, und die Beseitigung aller Versuche, Gott mit in die Wandlung und Werbung hineinzuziehen, so bewundernswürdig, daß dieser vom Verfasser ins Auge gefaßte Zweck einen Nebenzweck nicht zuläßt. Die Worte Wellhausen's: „Hätte er blos sagen wollen, Gott habe die Welt aus nichts geschaffen, . . so hätte er das einfacher ausdrücken können und zugleich deutlicher," sind doch nicht sehr überlegt. Man kann noch so sehr von rein religiösem Interesse geleitet sein und noch so sehr Kosmogonisches als völlig außerhalb der menschlichen Erkenntnisfähigkeit liegend ansehen, dem Leser ein völlig farbloses Bild zu geben, dazu hätte außer Wellhausen dem Verfasser wohl niemand geraten.

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