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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 62

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 62 (sequence 28)
Language
German
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62 gilt von Jes. 34,14—15. Die dort genannte „Lilith" ist für den Propheten noch so wenig ein Gespenst wie die andern dort genannten Tiere. Es ist ein Fehler des großen Grammatikers und nüchternen Exegeten Gesenius, daß er oft vor großer Gelehrsamkeit die Zeiten nicht scheidet. Niemand leugnet, daß die „Lilith" in der (sehr späten) jüdischen Sage ein Gespenst geworden ist. Aber hier handelt es sich um Jesaias. Und da belehrt gerade der Zusammenhang, daß offenbar ein Nachttier, wovon der Name, die Eule gemeint ist (Vgl. Gesenius" Handwörterbuch 8. v.). Die Einzigkeit Gottes erscheint so bei den Propheten als ein Bollwerk gegen Dämonologie und Aberglauben, führte sie aber auch positiv zur höchsten Stufe religiösen Erkennens. Auch einen einzigen Gott kann man ja, wie im Frühem einmal bemerkt, monolatrisch verehren. Aber der Unterschied ist der, daß der Polytheismus, auch wenn er noch so ethisch gemeint ist, notwendig in abergläubischen Dienst sich verliert, während der Monotheismus umgekehrt notwendig zur Ethisierung auch der ursprünglich monolatrischen Gottesverehrung drängt. Nur der einzige Gott ist unvergleichlich und hört darum auf, ein physisches Wesen zu fein. Die Schrift erzählt daher nicht, wie dieser einzige Gott sich entwickelt, aus sich heraussetzt, sich in männlich und weiblich differenziert, gebiert nach Art der kosmogonischen Theorien des Heidentums, oder beschreibt seine Emanierungen und Ausstrahlungen nach Art der Gnostiker und Neuplatoniker. Gott als hyperphysisches Wesen ist darum auch der allein Ewige, alles Andere ist geschaffen. *) Er hat demnach auch kein Schicksal, *) Ohne daß ein Mensch bei den Propheten den terminus technicus „physisches Wesen, hyperphysisches Wesen finden wird, muß doch gesagt werden, daß nur innerhalb des Monotheismus diejenige Erhabenheit Gottes über die Natur erreicht und festgehalten werden kann, die zu einem reinen und heiligen Dienste erforderlich ist. Diese Bescheidung der Schrift, ihr großartiges Nichtwissenwollen dessen, was eben nicht wißbar ist, nämlich wie Gott es gemacht hat, um die Welt zu schaffen, macht ihre religiöse Größe. Nicht ebenso denkt darüber Wellhausen, der in seiner geistvollen Weise die Meinung, daß die Schrift keine Kosmogonie geben will, ironisiert. Er sagt: „Es geht die Rede, diese Erzählung (der Schöpfungsgeschichte) oer-

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