Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Der Mosaismus und das Judentum
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 27)
- Language
- German
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61 Wie dem auch nun sei, das Judentum in seinen Grundquellen hat keinen Dämouenglauben. Selbst die wenigen Stellen, die man ansührt, müssen noch reduziert werden. Im Grunde gibt es nur eine, die vom „Asasel" spricht. Ich will mir nach dem Vielen, was darüber gesagt worden, linguistisch und bibelkritisch über das Wort keine Entscheidung anmaßen. Es genügt doch aber die Tatsache, daß selbst der Talmud es sich nicht einfallen läßt, die Reinheit des monotheistischen Gedankens zu trüben durch die Auffassung, daß „Asasel" ein Wesen sei. Er versteht vielmchr unter dem Worte einen „steilen, felsigen Berg" (Joma 67 b.) Das offizielle Judentum hat demnach, wo es nicht haggadisch sich erbaut, sondern gesetzlich praktisch vorgeht, auch in der talmudischen Zeit, in der es ja an Aberglauben nicht fehlt, dem Dämonenglauben keinen Zutritt gestattet. Ueber die „Schedim und Seirim", von denen die Bibel redet, braucht kein Wort verloren zu werden, da sie von der Hinneigung, ihnen zu opfern, nur so spricht wie von der Hinneigung zu jedem Götzendienste. Sie gibt ja den Schedim geradezu den Namen Un-Gott (lo-eloha). Dasselbe gilt von den Teraphim, die in Samuel 1,15,23 eine Kritik in den Worten finden: „Denn Sünde der Zauberei ist Widerspenstigkeit, Götzen- und Theraphimdienst ist Starrsinn." Ebenso Zacharias 10, 2. Geradezu verkehrt ist es, dem Propheten, der Jes. 13,21 zu uns spricht, einen Dämonenglauben zuzuschreiben, weil dort von behaarten Tieren (Seirim) die Rede ist, die auf den Trümmern Babels sich ergötzen. Mit unter einer Reihe von Tieren, die in Wüsteneien Hausen, in einem der ausgerechneten Tiere einen Dämon zu sehen, ist gewiß kein gesundes exegetisches Verfahren. Es heißt: „Und es werden (auf den Trümmern Babels, der Zierde der Reiche, des stolzen Schmuckes der Chaldäer) lagern wilde Katzen und ihre Häuser füllen Marder, es wohnen dort Strauße, und Seirim tanzen dort, Schakale bellen dort in seinen Hochbauten und Füchse in den Palästen der Wollust." Und da sollen die „Seirim" Dämonen sein? Sicherlich hat Luzzatto Recht, wenn er (Kommentar z. St.) in ihnen eine Art Affen sieht, die wegen ihrer Behaartheit so geheißen. Dasselbe