Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Der Mosaismus und das Judentum
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3111067-3111080-3112429--1790-3112504- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
60 schichte, wie Ramses des XU. (im 12. Jhnd.) nach Chaldäa verheiratete Schwägerin, die von einem Dämon besessen ist, geheilt wird durch die Lade eines Gottes aus Theben, die er hinsendet. Die Besessenheit paßt in den ägyptischen Gedankenkreis. Im Anfänge, lehren sie, haben die Götter oder der Gott im Menschen sich niedergelassen, sind in ihnen Fleisch geworden und so sind die Götterkönige entstanden. Nachdem aber der Zweck dieser Fleischwerdung erreicht war und die Menschen ohne Götter sich zu regieren verstanden, da verkörperten sie sich in Tieren, die eben darum heilig sind, um so unbemerkt von ihnen das Leben der Menschen bewachen zu können. Bei solchen Vorstellungen ist es wahrlich nicht merkwürdig, wenn anderswo gelehrt wird, daß die Seelen,. die im Gericht des Osiris nicht bestanden hatten und zur Vernichtung verurteilt waren, auf diese Erde zurückkehrten und als böse Geister die Menschen beunruhigten, auch wohl zu unreinen Tieren eingingen. Den Zusammenhang zwischen Aegypten und Griechen wird wohl keiner in Abrede stellen. Vollends die Gestaltung des Dämonenglaubens bei Plutarch, dem Verfasser von Os Iside et Osiride, und den Neuplatonikern, deren Koryphäus Plotin ein geborener Aegypter war, auf den Einfluß des Judentums und Christentums zurückzuführen, wie es Keim tut, statt auf die ägyptischen Vorstellungen, ist seltsam und merkwürdig. Aber auch ohne die Vermittelung Aegyptens wird uns für die ältere griechische Zeit, die das Judentum überhaupt noch nicht kannte, eine Bezugsquelle des ganzen dämonologischen Aberglaubens genannt. Wenigstens lese ich im Lenormant (p. 214) folgende Worte: Um die Zeit der medischen Kriege verbreitete sich in Griechenland ein Buch, das dem Magier Osthanes zugeschrieben wurde, ein Buch, welches der Ausgangspunkt derjenigen Magie wurde, die sich von da ab bei den Hellenen an die Stelle der groben und primitiven Praktiken der Gosten setzte (Plinius XXX, 1,8; Eusebius, prasp. ev. 1, 10) Suidas s. v. Astronomia Apul. Apoll. 27). Nach dem, was man von diesem Buche weiß, lehrte es wie die höchsten Geheimnisse der Magierkaste, alle Arten von Zauber und von Wahrsagung bis auf die Beschwörung von Toten und unterirdischen Geistern (Plinius XXX, 5).