Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Der Mosaismus und das Judentum
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 25)
- Language
- German
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59 hängende Deisidämonie. Bei den Griechen ist der Dämonenglaube sehr alt. Er findet sich schon bei H esiod (Zeller 1,103), und ganz ausgebildet tritt er uns bei den Pythagoräern entgegen (Zeller I, 424), die sich unter ihnen körperliche Seelen dachten, welche teils unter der Erde, teils im Luftraum sich aufhalten und den Menschen nicht selten erscheinen. Von ihnen kommen die Weissagungen, von ihnen kommt das, was im spätem Judentum „Bath-Kol“ genannt wird. Rechnet man dazu, daß die Pythagoräer auch die Seelenwanderung hatten, und zwar, wie man annimmt, daß sie diesen Glauben von den Aegyptern bezogen hatten, so brauchen wir über die Frage, wie die Vorstellung von der Möglichkeit, daß ein Mensch von einem Dämon besessen werde, zu den Heiden kam, nicht lange unschlüssig zu sein. Das Alte Testament kennt den Begriff der Besessenheit nicht, und keine Spur führt darauf, daß die palästinensischen Juden von Esra bis Hillel dergleichen gekannt. Es ist ein kühner Sprung, den Keim macht, wenn er meint, weil Josephus gegen Ende des ersten christlichen Jahrhunderts schon Dämonen kennt, die er als die Geister böser Menschen bezeichnet, die in die Menschen dringen und sie töten, und weil er ruhmredig von einer Dämonenaustreibung durch einen Juden spricht, ja schon auf Salomo zurückführt, darum soll diese Vorstellung bei den Juden alt sein und von ihnen stammen. Allein hat denn Jemand bezweifelt, daß das erste christliche Jahrhundert von solchen Vorstellungen beherrscht war? Ist denn überhaupt ein Zweifel, welches das klassische Land für Dämonenglauben und Besessenheit gewesen ist? war Chaldäa und war Aegypten. In Chaldäa herrschte eine sehr ausgebildete Dämonologie. Da gibt es eine Welt von schädigenden Geistern, die so sorgfältig geschieden und beschrieben sind, daß man sie steckbrieflich verfolgen könnte. Zu ihren traurigsten Tätigkeiten gehört eben auch das Hineinfahren in die Menschen, das „Besetzen" derselben. Daß aber ebenso auch in Aegypten diese Vorstellung herrschte, dafür zitiert Lenormant*) eine ägyptische Säule, die in Paris aufbewahrt wird. Sie erzählt eine interessante Ge- ') La magie chez les Chaldeens p. 31. (Paris 1874).