Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Der Mosaismus und das Judentum
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 24)
- Language
- German
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58 Keim seinen Artikel „Besessene" in Schenkels Bibellexikon beginnt: „Der Glaube an die Besitzergreifung und Einwohung teuflischer Mächte im menschlichen Wesen gehört dem Judentum und seinem Nachfolger, dem Christentum, an. Dem Heidentum ist dieser Glaube erst durch die Juden und Christen geworden. Aber auch Juden und Christen sind doch nicht die ersten Inhaber des Glaubens, orientalisch-persische Grundlagen sind es, auf denen sie selbst weiter bauten." Dem originalen Judentum ist diese ganze Vorstellung fremd, was Keim selbst im Verlaufe des Artikels mit den Worten zugibt: „Aber das Alte Judentum hat seinerseits dennoch mit großer Originalität und ungebrochener Energie den Einheitsgedanken, die Alleinherrschaft und Allherrschäft des guten Gottes in der Welt so konsequent durchgeführt, daß selbst das Böse in der Welt, daß selbst die Schlange als Creatur in den Händen des guten Gottes blieb." Auch ist es nicht richtig, daß es gleich nach der Rückkehr aus dem Exil wesentlich anders wurde in dieser Beziehung. Wie man sich zu dem babylonischen Zauberwesen und zum Parsismus stellte, dafür istDeuterojesaias wohl ein leuchtendes Beispiel. Hatte der Einheitsgedanke noch zur Zeit des Cyrus innerhalb des Judentums die Energie, die er im Deuterojesaias dokumentiert, so wird man an einen baldigen Eindrang des Aberglaubens für die nächstfolgenden Zeiten nicht glauben. Die apokryphischen Bücher, die Keim anführt, das Buch Baruch, das Buch Tobiä, haben abgesehen davon, daß sie innerhalb des Judentums niemals Beachtung fanden, einen so späten Ursprung, daß man in ihnen nicht eine Quelle, aus der die Heiden geschöpft haben, sehen kann, sondern umgekehrt, daß man in ihnen eine Spiegelung dessen sehen muß, was sie in heidnischen Ländern sich angeeignet. Eine merkwürdige Verkennung des Sachverhalts liegt in folgenden Worten Keims: „Selbst unter den aufgeklärten ägyptischen Juden und unter den griechischen Uebersetzern des Alten Testaments sieht man den Glauben herrschen." Umgekehrt steht die Sache. Gerade von diesen aufgeklärten und griechisch gebildeten Juden ging die Entstellung der alttestamentlichen Vorstellungen aus. Gerade von den Griechen bezogen sie den Dämonenglauben und die damit zusammen-