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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 57

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 57 (sequence 23)
Language
German
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57 Existenz zugeschrieben wird. Man vergleiche als Beispiel Deut. 10,17: „Denn der Ewige, euer Gott, ist ein Gott der Götter und ein Herr der Herren." Aber daß das nur ein Vorstellungs- und Sprachwort aus früheren Tagen ist, geht zu deutlich aus zahlreichen Stellen eben desselben Deuteronomiums hervor, als daß es uns beirren könnte. Deut. 4, 35: „Dir ist vor Augen gestellt worden die Erkenntnis, daß der Ewige der Gott ist, Keiner außer ihm." Ebendaselbst 4,39: „So erkenne denn heute und nimm es Dir zu Herzen, daß der Ewige der Gott ist im Himmel oben und auf der Erde unten. Keiner weiter." Die Götter sind nicht, sind Nichtse (Elilim). Gott wird der „lebendige Gott" genannt (Hosea 2,1, Jer. IO/10) im Gegensatz zu den Göttern, die als Tote bezeichnet werden. Die Opfer, die man ihnen bringt, heißen Opfer der Toten (Pf. 106,28). Berühmt ist der blutige Spott der Propheten, wo sie die Nichtigkeit der Götter und ihres Dienstes ausmalen. Um nicht ganze Kapitel abzuschreiben, setze ich nur ein paar Stellen hin. Jer. 10, 3: „Denn die Satzungen der Völker sind nichtig; denn, als Holz aus dem Walde hat man ihn gehauen, ein Werk der Hände des Künstlers mit dem Beile. Mit Silber und Gold hat er es verschönt, mit Nägeln und Hämmern es befestigt, daß es nicht wanke. Wie eine Säule in getriebener Arbeit sind sie, und sie reden nicht, getragen werden sie, denn sie können nicht schreiten; fürchtet euch nicht vor ihnen, denn sie können nichts Böses tun, aber auch wohlzutun steht nicht bei ihnen." Ebenso Jes. 41, 23: „Sagt an, was kommen wird in der Folgezeit, so werden wir merken, daß ihr Götter seid, tut nur etwas Gutes oder Böses, so wollen wir staunen und es sehen allzumal. Siehe, ihr seid von Nichts und euer Tun stammt von Nichtigkeit. Ein Gräuel ist, wer euch erwählt." Es ist also nicht richtig, was Scholz*) sagt, daß „im alten und neuen Testament den Götzen ein dämonischer Hintergrund zugeschrieben wird". Es wird ihnen von den Propheten kein anderer Hintergrund zugeschrieben als der der menschlichen Torheit. Ebenso irreleitend und falsch sind die Worte, mit denen *) Dr. Paul Scholz: Götzendienst und Zauberwesen bei den alten Hebräern. S. 52.

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