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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 56

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 56 (sequence 22)
Language
German
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56 keine Furcht vor Gestirnen oder Himmelszeichen, sondern von dem erhabenen Gedanken aus: Einer ist Herr, wird das alles geleugnet und verspottet. Die geistige Höhe, auf welcher diese Verkünder der Einzigkeit Gottes stehen, ermißt sich am besten daran, daß spätere Zeiten bei aller Treue gegen den monotheistischen Gedanken nicht in manche Schriftkapitel sich hineinzufinden vermochten und sie durch Hineindeutung um ihren lauteren Sinn gebracht. Daß das erste Kapitel der Schrift nur Gott und Welt kennt und keine Engel, daß nicht erzählt wird, wie sie geschaffen worden, war für die Rabbinen wie auch für die Kirchenlehrer Anlaß, sie dennoch irgendwo hineinzuzwängen. Wo sind die schlimmen Geister, wenn sie doch nicht geschaffen wurden? So werden nach Osuosis rabba (Kap. III) die Engel am zweiten Schöpfungstage geschaffen, nach Sprüchen der Väter 5, s wird sogar ein Platz gesucht für die „schädigenden Geister". Aber das Schriftkapitel selbst gibt uns kein Recht dazu. Es ist bekannt, welche Rolle das Wort „Engel" in den heiligen Schriften vorexilischer Zeit spielt, daß ihnen offenbar die selbständige Existenz, und darum auch der Name fehlt. Wenn die talmudischen Lehrer sagen, daß die Namen der Engel aus Babylonien mitgekommen seien *), so ist das eine gute exegetische Bemerkung, die aber dadurch um ihre Bedeutung kommt, daß das Buch Daniel unter griechischem und nicht unter babylonischem Einflüsse entstanden ist. Außer dem Worte „Satan", der aber doch nur wie eine poetische Personiffkation erscheint, gibt es ja auch in der nachexilischen Zeit vor dem Eindrang des Hellenismus keine feste Engelpersönlichkeit und keinen bestimmten Engelnamen. Es ist bekannt, daß der sprachliche Ausdruck einer vorangegangenen Epoche auch dann häufig beibehalten wird, wenn die fortgeschrittene Erkenntnis den Ausdruck zu einem ungenauen macht. Auch nach Copernicus fällt es uns nicht ein, den Ausdruck „Sonnenaufgang" zu ändern. So finden sich in der Schrift oft Ausdrücke, welche uns glauben machen können, daß den andern Göttern immerhin eine Art von *) Jer. Bosch haschanal.

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