Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Der Mosaismus und das Judentum
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 20)
- Language
- German
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54 anders beschwichtigt als eine gute. Eine gute Gottheit begnügt sich vielleicht mit einer kleinen unbedeutenden Gabe, eine böse aber will Befriedigung ihrer Bosheit, ihrer Rachsucht. So entstehen die schauderhaften Kulte, der Molochdienst, der Mylittadienst usw. Gibt man ferner diesen Naturmächten ein persönliches Leben, so gibt man ihnen auch bald das Aussehen von belebten Wesen, Tier- und Menschengestalt. Bei gutem Willen sieht man in der Sonne, im Mond ein Katzengesicht oder ein Menschengesicht. Man fertigt Bilder der verschiedenen Gottheiten an als Symbole derselben, nicht aber ohne den Glauben, daß diese Bilder kräftig genug seien, um die Wirkungen des Göttlichen auf sich herabzuziehen. Die Bilder werden dann mehr als Symbole, sie werden Mächte. Erklärt sich so die Entstehung des Polytheismus und der Idolatrie, so müssen die Eindrücke, welche die Welt, die Ereignisse und die Taten des Menschen auf seinen Geist machen, sich nicht notwendig so übersetzen. Die Tendenz nach dem einheitlichen Urgründe des Alls liegt ja so sehr im Menschengeiste, daß selbst dem Heidentum eine monotheistische Tendenz nicht abzusprechen ist, wenn es auch durch die physische Fassung dieses Urgrundes sich schnell um die Vorteile des Monotheismus brachte und notwendig den Urgott zu einem caput mortuum der Abstraction verwandelte, während alles Leben bei den aus dem Urgrund sich erzeugenden Einzelgöttern war. Aber es gab doch auch eine Erhebung zum Monotheismus, die diesen Fehler vermied, die abrahamitisch-mosaische. Nicht die bloße Annahme, daß nur ein Gott sei, war die große Tat der Propheten Israels, sondern die Fassung dieses einzigen Gottes. Nur in Israel war Gott ein hyperphysisches Wesen. Man mag noch so sehr auf die anthropomorphistischen Ausdrücke, deren sich die Bibel in Beschreibung der Eigenschaften und Tätigkeitsäußerungen Gottes bedient, reflectiren, die Einzigkeit Gottes deutet sich doch bald in ihr als Unvergleichlichkeit und als Undarstellbarkeit in irgend einem Bilde. Dieses Bestehen auf Gottes Einzigkeit und Undarstellbarkeit reinigt die Welt von allem Götter- und Dämonenspuk, von allem Glauben an Zauberei und Trugweisheit, ist der