Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Der Mosaismus und das Judentum
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 14)
- Language
- German
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48 die Tatsache nicht übersehen, daß ihm seine Philosophie immerhin eine Menge offenbar falscher und abergläubischer Meinungen gestattete und zur Rechtfertigung derselben die Hand bot. Und wenn er hierin nur einem unwiderstehlichen Zug seiner Zeit folgte, so kann dies zwar ihm für seine Person zur Entschuldigung gereichen, nur um so deutlicher erhellt aber gerade hieraus, daß die Philosophie ihre rein wissenschaftliche Haltung aufgegeben hatte und fremdartigen Elementen einen Einfluß verstattete, die für ihren ganzen Charakter sehr gefährlich werden mußte." *) Allein ich füge diesen Zeller'schen Bemerkungen noch eine hinzu: Der Angeklagte ist gar nicht Plotin, sondern der Polytheismus. Der Polytheismus ist der Keim, aus dem eben als naturgemäße Frucht jede Art von Aberglauben hervorwächst. Man kann ja sagen: will man einmal den Polytheismus in einem philosophischen System unterbringen und rechtfertigen, so gab es gewiß keine geistvollere Art, als wie Ploün das leistet. Aber die Folge dieser Verwirrung eines philosophischen Denkens mit den phantastischen Vorstellungen des griechischen Volksglanbens mußten sein, daß schon Ploün, weit mehr aber noch seine Nachfolger den Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen tun mußten. In dem ttefflichen Aufsatz von Merx über „Abgötterei" (Schenkels Bibellexikon) finde ich im Eingänge eine Erklärung von Aberglauben, nach welcher er ein Rest dessen ist, was früher als rechter Glaube gegolten und den das fortgeschrittene Gemeinbewußtseinjetztals Aberglauben bezeichnet. So richtig das vom historischen Gesichtspunkte aus gesagt ist, so bedenklich ist es doch, den Aberglauben als etwas blos Relatives - hinzustellen und auf jede begriffliche Erörterung desselben zu verzichten. Es läuft alles auf die Erklärung hinaus: Aberglauben ist das, was einst geglaubt wurde, jetzt aber nicht mehr geglaubt wird. So wären wir also in Gefahr, daß uns eine spätere Zeit auch bei den reinsten Vorstellungen von der Gottheit als abergläubisch bezeichnen könnte. Ich glaube doch nicht. Versuchen wir darum selbst, uns über das Wesen des Aberglaubens zu orientieren. *) Vgl. auch Zellers Anmerkung auf S. 631.