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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 47

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 47 (sequence 13)
Language
German
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47 leicht einzusehen. Dieselbe Philosophie, welche versucht hat, die Postulate des vernünftigen Denkens mit dem polytheistischen Glauben und der polytheistischen Praxis vereinbar erscheinen zu lassen, hat den Aberglauben nicht etwa blos toleriert, sondern geradezu systematisch begründet und für das ganze Mittelalter, ja über das Mittelalter hinaus hoffähig gemacht. Sehr schön behandelt Zeller Kirchners Verteidigung des genialen Stifters des Neu-Platonismus, des Plotin, wegen des vielen Abergläubischen, das sich bei ihm findet. Zeller (Die Philosophie der Griechen, dritter Teil, zweite Abteilung, die nacharist. Philos., zweite Hälfte, S. 630) sagt: „Es ist ganz richtig, wenn Kirchner ausführt, daß in jenen Jahrhunderten alle Schichten der Gesellschaft von dem Glauben an Magie und Astrologie, an Wunder und Vorbedeutungen, an Zauberkünste und an Dämonen erfüllt waren; daß dieser Glaube auch in die Wissenschaft längst Eingang gefunden hatte; daß hundert Dinge, deren Unmöglichkeit uns auf den ersten Blick einleuchtet, die uns als ein ausschweifender Aberglaube erscheinen, zur Zeit Plotius einen unumstößlichen Inhalt des allgemeinen Bewußtseins bildeten und den Anschein von Tatsachen gewonnen hatten, welche der Philosoph nicht zu bestreiten, sondern nur zu begreifen habe. Wir dürfen auch nicht übersehen, daß die Philosophen an die Erklärung dieser vermeintlichen Tatsachen schon seit Jahrhunderten Hand angelegt hatten, daß nicht allein die Platoniker und Pythagoräer, sondern auch die Stoiker, und sie ganz besonders, dem Plotin mit den Theorien vorangegangen waren, durch die er den Volksglanben vor der Philosophie zu rechtfertigen bemüht ist. Werden uns aber diese Erwägungen abhalten, gegen unfern Philosophen ohne weiteres den Vorwurf des Aberglaubens und der Schwärmerei zu erheben; müssen wir vielmehr den Ernst anerkennen, mit dem er sich anstrengt, die falschen Annahmen, welche er mit seiner Zeit teilt, mit seinen philosophischen Voraussetzungen in Übereinstimmung zu bringen; müßen wir zugeben, daß er selbst sich von manchen verkehrten, einer vernünftigen Weltansicht und einer würdigen Gottesidee widerstreitenden Zeitvorstellungen ferngehalten hat, so dürfen wir doch deshalb

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