Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Der Mosaismus und das Judentum
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 11)
- Language
- German
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45 Antipoden, schildert er den schrecklichen Ritus der Menschenopfer bei den Galatern und Scythen, ebenso bei den Karthagern, führt Beispiele von Menschenopfern bei den Persern an und führt den Xenophanes an, der zu den Ägyptern, welche bei ihren Festen die Götter beweinten, sagte: „Sind sie Götter, so beweint sie nicht, sind sie Menschen, so opfert ihnen nicht." Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß Plutarch seine beredte Schilderung von den traurigen Wirkungen des Aberglaubens der polytheistischen Wirklichkeit seiner Zeit entnimmt. Er bringt zwar auch ein Beispiel aus der jüdischen Welt, daß nämlich die Juden, um ihre Sabbathruhe nicht zu unterbrechen, den andrängenden Feinden keinen Widerstand leisteten. Aber einerseits ist das in der Tat ein Aberglaube, den schon die Makkabäer überwunden und den die halachische Praxis ausdrücklich mißbilligt.*) Andererseits ist sonst aus Plutarch über die Juden nichts zu entnehmen, da er sie mit den Syrern verwechselt und Bacchus für ihren Gott hält, eine Ehre, die Tacitus ihnen nicht einmal zuerkennen will. Plutarch kennt nur das Heidentum. Aber so geharnischt er auch gegen den Aberglauben auftritt, so kämpft er nur gegen die traurigen Erscheinungen desselben, seine Quelle fließt bei ihm so ergiebig wie nur wünschenswert. Plutarch ist überzeugter Polytheist. In „De Iside et Osiride“ (deutsch S. 1151) heißt es: „deßwegen ist auch von Theologen und Gesetzgebern auf Dichter und Philosophen diese uralte Ansicht übergegangen, deren Urheber sich zwar nicht angeben läßt, die aber doch durchaus zuverläßig und wahr ist . . . . daß das Weltall keineswegs vernunft- und verstandlos ohne Leitung dem Ungefähr überlaßen herumschwebe, noch von einem einzigen vernünftigen Wesen beherrscht und gelenkt werde, gleichsam wie mit einem Steuer und Zügel, sondern von vielen Wesen und zwar von solchen, die aus Bösem und Gutem gemischt sind, . . . daß aus zwei entgegengesetzten Prinzipien und zwei einander feindseligen Kräften . . . das Leben und die Welt, wenn auch nicht die ganze, so doch diese irdische und lunarische. *) I. Makkab. 2,41 und Maimon. H. Melachim 6,11.