Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Der Mosaismus und das Judentum
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 6)
- Language
- German
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40 Der Grieche ist stolz auf sich selbst, darauf, daß die Gunst der Götter ihn zu einem so herrlichen, Andere überragenden Menschen gemacht, der Israelit war blos stolz auf seinen Gott und auf die Lehre, die ihm dieser Gott gegeben. Es fragt sich nun: Was verschaffte Israel so früh die Überzeugung von der Einzigartigkeit seiner Lehre, von der spezifischen Differenz seiner Religion von allen vorhandenen? Daß diese Überzeugung da war, frühzeitig da war, braucht wohl nicht bewiesen zu werden. „Siehe da ein Volk, das allein wohnet und unter die Völker sich nicht rechnen läßt" (Num. 23, 9 Deut. 33,29). Aber es läßt sich auch zeigen, worauf diese Überzeugung sich gründete, ebenso die damit verbundene Erwartung, daß sie andern Völkern sich gleichfalls aufdrängen werde, eine Erwartung, in welcher der Keim zur messianischen Hoffnung liegt. Es ist merkwürdig, daß Kant, ohne an eine Bibelstelle zu denken, rein auf dem Wege der Restexion auf dieselbe Antwort kommt, die in der Tat durch eine klassische Bibelstelle sich belegen läßt. Kant sagt sin der Kritik der Urteilskraft ed. Kirchmann S. 129): „Vielleicht giebt es keine erhabenere Stelle im Gesetzbuche der Juden, als das Gebot: Du sollst Dir kein Bildnis machen, noch irgend ein Gleichnis weder dessen, was im Himmel, noch auf Erden, noch unter der Erde ist usw. Dieses Gebot allein kann den Enthusiasmus erklären, den das jüdische Volk in seiner gesitteten Periode für seine Religion fühlte, wenn es sich mit andern Völkern verglich." In der Tat ist es dieser Gedanke, der dem Gesetzgeber selbst, oder nach Ansicht der Bibelkritik dem Deuteronomiker die Überzeugung verleiht, daß die Lehre Israels als ein novum et inauditum entstanden ist, als etwas, was in seiner Weisheit im Laufe der Zeiten mit Notwendigkeit auch von den andern Völkern werde anerkannt und gefeiert werden. Man lese im Zusammenhang das vierte Kapitel des Deuteronomium von Vers 4—24. Der Gesetzgeber sagt zunächst (Vers 4—8): „Siehe, ich habe Euch gelehrt Satzungen und Rechte u. s. w-, sie sind Eure Weisheit und Eure Einsicht vor den Augen der Völker" usw. Fragen wir aber, worin sieht der Gesetzgeber die Weisheit, die zu so hohen Erwartungen berechtigt, daß auch die andern Völker