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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 39

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 39 (sequence 5)
Language
German
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39 Morgengebet Gott dankte, daß er ihn zum Juden und nicht zum Heiden geschaffen, dankte Plato alltäglich den Göttern, daß sie ihn zum Griechen und nicht zum Barbaren hätten entstehen lassen. Man kann sogar sagen, daß in der klassischen Zeit der Entstehung der biblischen Bücher Israel von sich selbst nichts weniger als groß dachte, sondern nur von seiner Religion. Weil die Gabe geläuterter Religionserkenntnis ihnen rein als Gottesgabe erschien, weil sie sich selbst kein Verdienst daran zuschrieben, darum zeigen die Sprecher in den biblischen Büchern neben dem Stolz auf die Thora eine sehr demütige Meinung über die Empfänger derselben. Hat man ja auch diese, durch die Religion erzeugte demütige und niederbeugende Erkenntnis der eignen Schwächen gegen Israel ausgebeutet, indem man nämlich sagte: .Die Propheten selbst bezeugen ja, wie niedrig das sittliche Niveau des alten Israel war. Man vergaß es, daß ein jüdischer Prophet einen strengeren sittlichen Maßstab anlegte als ein heidnischer Autor, man vergaß auch die größere Redefreiheit der jüdischen Propheten, man vergaß, daß, wenn Kalchas zu Agamemnon so hätte reden wollen wie Elias zu Ahab oder Amos zu Amazia, er schwerlich seine Worte sehr lange überlebt haben würde. Israel, oder sein Sprecher, bezeichnet sich selbst als hartnäckig, bezeichnet die Auserwählung nicht als sein Verdienst (Deutr. 9, 4), sondern höchstens als Verdienst seiner Ahnen, bezeichnet sich als geringfügig (daselbst 7, 7), als nicht gerechter denn andere Völker. Ja, während man einen Augenblick meinen könnte, als läge in dem Gedanken der Auserwählung sofort auch schon die partikularistische Ausschließlichkeit, kommt da gerade die durch den Monotheismus von selbst erzeugte Universalität, das Hineinziehen auch der anderen Völker (Exodus 19,s): „Und nun, wenn Ihr meiner Stimme gehorchen und meinen Bund bewahren werdet, so sollt Ihr mir ein Eigentum sein von allen Völkern, denn mein ist die ganze Erde." Es wird daran erinnert, daß auch die anderen Völker Gottesvölker seien. Gerade in dem Ausdruck der Bevorzugung: „Mein erstgeborener Sohn ist Israel" (Exodus 4, 22) ja gleich eingeschlossen ist der Gedanke, daß auch die andern Völker als Söhne Gottes, wenn auch als jüngere, zu betrachten sind.

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