Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Der Mosaismus und das Judentum
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 3)
- Language
- German
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37 zu handhaben, schon darum gefallen lassen, weil sie selbst biblisch ist. Die Schrift verbietet ja nicht blos den Götzendienst, sondern warnt auch (Deutoronom. 12,30) recht dringend davor, den wahren Gott monolatrisch zu verehren. „Sage nicht: Wie dienen diese Völker ihren Göttern, so will ich es auch tun. Nicht also sollst Du tun dem Ewigen Deinem Gotte." Auch wird kein Kundiger leugnen, daß es lange gedauert hat, ehe Israel sich von Monolatrie freigemacht, und daß es vorzugsweise das Verdienst der genannten großen Propheten war, wenn sich das Volk zur höheren Auffassung der Religion erhebt. Aber wie will man sich das Verhalten der genannten Propheten und das Verhalten des Josias vorstellig machen, wenn sie an kein mustergültiges Altertum anzuknüpfen hatten? Giebt es einen Unbefangenen, der aus diesen Propheten herausliest, daß sie sich dessen bewußt waren, ein Neues, früher nicht Dagewesenes zu lehren, oder muß man sagen, das Feuer ihres Wortes erhält am meisten Nahrung dadurch, daß sie die Überzeugung hatten, den Mißverstand und die Fälschung der überkommenen Religion durch ihre Reden abzustellen? Die herrliche Vision, die Jesaias (2, Anfang) und Micha (4, Anfang) gleichlautend hat, von der Zeit, wo die Völker nach dem Zionsberg zum Haus des Gottes Jacobs strömen werden, um dort den wahren Heilsweg kennen zu lernen, wird von Jesaias blos an die Spitze gestellt, um daran die Worte knüpfen zu können: „Haus Jacobs, so laßt uns wandeln im Lichte Gottes. Denn Du hast Dein Volkstümliches verlassen und sie sind voll von morgenländischem Wesen, von Zauberern gleich den Philistern, und mit Kindern aus der Fremde treiben sie ihr Spiel." Durchaus als fremden Eindringling sehen die Propheten ven Götzendienst, wie auch die dem Götzendienst entnommene Weise der Verehrung des einen Gottes an. Nirgends tadeln sie die religiösen Zustände ihrer Zeit wie Solche, die von Gott den Auftrag haben, etwas ganz Neues zu setzen, sondern wie Solche, die sich bewußt sind, daß sie die Abirrungen von den Wegen der gottgegebenen Religion zu strafen und nicht fürder zu dulden beauftragt sind. Es ist hier nicht der Ort, mit der modernen Bibelkritik