Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
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22 förmlich von den abenteuerlichsten Hypothesen. Noch zu erwähnen ist das Buch von I. Wimmer: Palästinas Boden mit seiner Pflanzen- und Tierwelt von Beginn der biblischen Zeiten bis zur Gegenwart, und zum Abschluß das ausgezeichnete Bibelwörterbuch von H. Guthe. Die jüdischen Arbeiten auf diesem Gebiete sind diesmal erfreulicherweise etwas zahlreicher als sonst. Ich nenne vor allem einen neuen und großen Bibelkommentar von B. M. Epstein in Wilna, namentlich den ersten Teil des Psalmenkommentars von H. P. Chajes, der auf streng bibelkritischer Grundlage beruht, was man von dem Psalmen-Kommentar des Jacob Heilpern, ebenso wie von der sonst vortrefflichen Bearbeitung der Klagelieder durch M. Hirsch nicht sagen kann. Eine russische Übersetzung des Pentateuch und des Buches Josua mit hebräischem und russischem Kommentar hat der wackere alte I. Steinberg in Wilna herausgegeben. Denersten Teil einerhebräischen Bibel-Concordanz hatL. Rabbinowitz ediert. Vielleicht ist auch hier noch das verdienstliche Buch von Gustav Oppert: Tarschisch und Ophir anzuführen, in dem zwei alte Probleme der biblischen Geographie eingehend besprochen werden. Er bekennt sich zu der heute herrschenden Ansicht, daß Tarschisch oder Tartessus im heutigen Andalusien liegt und daß ein ursprüngliches Tarschisch in Afrika nicht existiert hat. Besonders wertvoll sind seine Untersuchungen über Ophir, indem er nachweist, daß die eigentlichen Fahrten der Goldsucher auf Ostafrika sich erstreckten. Es gab also für die Flotten Salomos und Hirams zwei verschiedene Reiseziele: Indien oder Ostafrika. Indien war nicht Ophir und das salomonische Ophir nicht Indien, sondern Afrika, auf das unsere zionistischen Goldsucher jetzt wieder ihr Augenmerk lenken. Den Übergang von der biblischen zu der weitumfassenden und verschiedenartig gestalteten hellenistischen Litteratur vermitteln die Apokryphen. Die Vernachlässigung, die dieser Litteratur früher zuteil geworden, wird jetzt durch erhöhtem Eifer wett gemacht. Auch in unseren Kreisen beginnt man der hellenistischen Litteratur mehr Aufmerksamkeit und Teilnahme zuzuwenden, als dies früher geschehen ist. Allerdings schießt dieser Eifer auch schon oft über das Ziel hinaus und