Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
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20 die Gesetze Hammurabis in der mosaischen Gesetzgebung heranszufinden, so daß Bezold mit Recht sagt, die alttestamentliche Exegese kann vor den allerneuesten derartigen Kundgebungen nicht nachdrücklich gewarnt werden. „Möchte ihnen doch jetzt wieder ein Alfred von Gutschmid Einhalt gebieten; möchte unsere aufgeblühte neue Wissenschaft von solchen unerwiesenen Theorien und Hypothesen, insofern sie der breitesten Öffentlichkeit angeboten werden, in Zukunft verschont bleiben!" Alfred von Gutschmid hat nämlich schon vor mehr als einem Vierteljahrhundert in seinen „Neuen Beiträge»! zur Geschichte des alten Testaments" ein berechtigtes Wort bitteren Spottes auf diese, wie er sagte, „wilde verwegene Jagd" zu erwidern gewußt. Das hat natürlich nicht gehindert, daß, nachdem einige alte Steine und Inschriften gefunden wurden, das Treiben von neuem begonnen hat. Ein seltsamer Zufall weht mir eben ein altes Litteraturblatt aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts zu, in dem zwei damals neue Bücher: die „Genesis" von Bohlen und ein anderes über die altisraelitischen Gottesnamen von M. I. Landauer mit großer Begeisterung als gewaltige Errungenschaften der Wissenschaft angezeigt werden, die den Zusammenhang der ältesten biblischen Geschichte mit den Weisheitslehren der Inder „unzweifelhaft darlegen". Abraham wird zum Inder gemacht, die ersten Stücke der Genesis, die Erzählungen von den ersten Menschen und dem Paradiese enthalten so viele indische Züge, daß dieselben garnicht auf einem anderen Boden entsprossen sein können. Der Name Noah bedeutet im Sanscrit Schiffer, der Meru der Inder, auf dem die Urkraft Gottes verborgen liege, sei natürlich der Moria der Hebräer; die Geschichte Hiobs finde sich in dem altindischen Puranas wieder und so fort, mit und ohne Grazie bis ins Unendliche. Heute lacht man über diese Entdeckungen, heute kommt alle Weisheit aus Babylon. Aber die Frage ist berechtigt: woher wird sie im nächsten Jahre kommen? Der Wert der Keilschriftenfunde kann natürlich durch diesen Einwand nicht geschmälert werden. Er ist so groß, daß es wahrlich der wilden, verwegenen Hypothesenjagd der Herren Delitzsch, Winckler u. a. nicht bedurft hätte. Und in der Sphäre der Bibclkritik ist die Erkenntnis bereits zum