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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 5

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Rückblick auf das Jahr 5663
Date
1904-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums", behufs Unterstützung junger Gelehrten sowie Herausgabe wissenschaftlicher Werke, besonders solcher, die von allgemeinem Gesichtspunkt ansgehen und in weiteren Kreisen Interesse zu erwecken imstande sind. Wie notwendig und wünschenswert eine solche Gesellschaft ist, hat sich indem großen Beifall gezeigt, den sie fand: wenn auch die reichen Juden Deutschlands, mit geringen rühmlichen Ausnahmen, wiederum ihre Gleichgiltigkeit gegen die idealen Bestrebungen unserer Religionsgemeinschaft erwiesen, so haben doch die Genieinden sofort in überraschender Weise dem Aufrufe Folge geleistet und durch Gewährung beträchtlicher Beiträge das Zustandekommen der Gesellschaft ermöglicht, die schon im kommenden Jahre Früchte ihrer Tätigkeit darbringen wird. Die Wahlen zum deutschen Reichstage, die im Juni 1903 stattfanden, haben durch das verblüffende Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen bewiesen, wie unzufrieden ein sehr großer Teil des deutschen Volkes mit dem herrschenden konservativ-militaristisch - konfessionellen Regierungssystem ist. Die Stimmenzahl der eigentlichen Antisemiten ist dabei von 284 000 auf 244 000, die Zahl ihrer Abgeordneten auf elf gesunken. Auch letztere sind zum großen Teil nur mit Hilfe anderer Parteien zum Siege gelangt. Der politische Antisemitismus hat in Deutschland offenbar keine Aussichten und ist wohl zum Absterben verurteilt; aber, wie wir wissen, mit dem Gefühls-, dem wissenschaftlichen und dem sozialen Antisemitismus steht es noch anders. Wie die antisemitische Partei in Preußen ihren günstigsten Boden im Regierungsbezirk Kassel — dem früheren Kurhessen — besitzt, so für Süddeutschland in dem Großherzogtum Hessen. Bei den Landtagswahlen dieses Staates, die im vergangenen Herbste stattfanden, wurde zwar in Darmstadt ein jüdischer Abgeordneter, Langenbach, gewählt, aber seine Wahl nachträglich annulliert, während eine starke Schar Rur-Antisemiten und antisemitisch angehauchter Agrarier und Rechts-National-„liberaler" in der hessischen Volksvertretung fitzen wird. In dem leitenden Staate, Preußen, ist der jüdischen Religion insofern Rücksicht gezeigt worden, als das Kriegs-

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