Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5663
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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zur Pflege der Wissenschaft des Judentums und besonders zur engen Verknüpfung dieser Wissenschaft mit dem Interesse des gebildeten jüdischen Publikums. Unsere höheren Lehranstalten sind wesentlich zu Erziehungsstätten für das Rabbineramt geworden, eben weil eine rein wissenschaftliche Laufbahn auf dem Gebiete des Judentums dem Jünger keinerlei materiellen Lohn und nicht einmal die Aussicht auf Anerkennung darbot. Die Vereine aber für jüdische Geschichte und Litteratur konnten der Natur der Sache nach lediglich der Vulgarisierung der jüdischen Wissenschaft, der Verbreitung ihrer Ergebnisse unter das Publikum, keineswegs aber ihrer inneren Fortentwicklung dienen. Dieser Mangel wurde auch für die große Zahl der Juden um so empfindlicher und drückender, als die schwerstwiegenden Angriffe auf das Judentum in jüngster Zeit gerade von wissenschaftlicher Seite her erfolgten. Wir sprechen weniger von dem plumpen Ausfall des Professor Delitzsch, der mit seinem Versuche, den Monotheismus und das hohe Sittengesetz Israels vou der wirren Vielgötterei und der wollüstigen Grausamkeit der Babylonier abzuleiten, bereits von den christlichen Theologen und' seinen eigenen Fachgenossen in der Assyriologie genügend widerlegt worden ist; der Mann hat seine Absicht, Lärm zu schlagen, in vollem Maße erreicht, damit aber seinen wissenschaftlichen Ruf tief geschädigt. Wir wollen vielmehr von den Bemühungen der sogenannten liberalen protestantischen Theologie reden, das Christentum, dessen Dogmen sie selber auf die altjüdischen zurückführen und einschränken müssen, als sittlich dem Judentum weit überlegen hinzustellen. Mit ihren in schöne Form gekleideten und von dem Scheine wissenschaftlicher Gründlichkeit umkleideten Darlegungen haben sie auf ihre eigenen Glaubensgenossen, aber auch auf zahlreiche Juden großen Eindruck hervorgebracht. Wir konnten, trotz einzelner trefflicher Abhandlungen, solchen Schriften nichts Ähnliches entgegensetzen. Es zeigte sich hier von neuem, daß keine Gemeinschaft — und vor allem nicht eine an Zahl geringe Minderheit — zur inneren Kraft und zu äußerer Stärke des belebenden Sonnenlichtes der Wissenschaft entbehren kann. Deshalb begründete im Laufe des Berichtsjahres eine Anzahl jüdischer Gelehrten und Mäcenateu