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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 3

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Rückblick auf das Jahr 5663
Date
1904-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Mann es im Privatleben anders? Sobald er sieht, daß gewisse Kreise sich von ihm mehr und mehr abwenden, vermeidet er sie, ehe auch die letzten aus jenen ihm den Rücken kehren, und beschränkt sich aus den Umgang mit solchen, deren sreundlicher Gesinnung er versichert ist. Wir sind sest davon überzeugt, daß die künftige Wiederannäherung der christlichen Mehrheit des deutschen Volkes an die Juden — eine Tatsache, die wir mit den glühendsten Empfindungen unseres Herzens erhoffen und wünschen — sich viel leichter und eher vollziehen wird, wenn die Juden einstweilen sich auf einander beschränken, so jeden Grund zu gesellschaftlichen Reibungen und zu Beschwerden über „jüdische Aufdringlichkeit" aus der Welt schaffen. Wir erkennen und beklagen tief die Schäden, die gegenwärtig der deutschen Judenheit und jedem einzelnen ihrer Angehörigen aus dieser Isolierung von den lebendigen Strömungen des deutschen Volkstums erwachsen — aber wir halten sie für ein geringeres Übel gegenüber den Demütigungen, die sonst dein Juden zu Teil werden, und die seinen Charakter herabsetzen müssen, sowie gegenüber den Zwistigkeiten und der Verbitterung, die aus dem Zusammenleben zweier für den Augenblick leider gegen einander unfreundlicher Brüder sich mit Notwendigkeit ergeben. Bleiben wir einstweilen für uns, ohne uns doch den großen Aufgaben der Welt und der Nation zu entziehen. Arbeiten wir vor allem an unserer eigenen Kräftigung und Hebung. Eine der hauptsächlichen Vereinigungen Deutschlands, die dieses Ziel sich gesetzt haben, der „Centralvereiu deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", hat im Februar 1903 sein zehnjähriges Stiftungsfest gefeiert, unter allgemeinster freudiger Beteiligung. Mit Recht wurde hervorgehoben, wie dieser Verein das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den deutschen Juden gehoben und gestärkt habe; und daß man dadurch nur die Achtung der christlichen Mitbürger erworben, zeigte die Rede, die Reichstagsabgeordncter Barth bei dieser Gelegenheit hielt. Aber auch eine klaffende Lücke im jüdischen Vereinsleben ist während dieses Jahres ausgefüllt worden. Bei allen Veranstaltungen, so zahlreich sie auch sind, fehlte doch eine: l*

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