Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5663
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 ganz, oder doch annähernd ganz, nur noch aus Juden zusammengesetzt. Sogar die Beflissenen des von Natur internationalsten und interkonfessionellsten Berufes, des Handels, haben die jüdischen Kollegen an der Kölner Handelsakademie aus ihren Verbindungen verbannt. Die akademischen und die gesamten österreichischen Turnvereine lassen sie grundsätzlich nicht zu. Und das Gleiche geschieht in immer wachsendem Umfange in allen auch nicht studentischen Gesellschaften und Vereinen der verschiedensten Art. Und da kommt die „Kölnische Zeitnug" und verurteilt —: natürlich unter der Zustimmung gesinnungstüchtiger Israeliten — diejenigen Juden, die eigene Studenten-, Turn- und gesellige Vereine bilden! Wir haben nicht gelesen, daß die „Kölnische Zeitung" auch christliche Deutsche wegen ihrer Ausschließlichkeit und Vorurteilsfülle bezichtigt hätte. Aber das ist ja im Grunde gleichgiltig: die Hauptsache bleibt, sind diejenigen Juden wirklich anzuklagen, die sich bei den gegenwärtigen Verhältnissen nur unter einander wohl fühlen und sich in diesem Empfinden zusammen tun? Man verstehe uns recht. Gewiß, wir erkennen mit Freuden an, was wir der deutschen Kultur verdanken; wir hängen an unserem deutschen Vaterlande und betätigen gern die Liebe und Treue für die Heimat. Aber wir haben doch auch das Bewußtsein unserer Menschenwürde und unserer Menschenrechte, und jede Kränkung derselben schmerzt uns und versetzt uns in gerechten Zorn. Es ist wahr, die deutsche Turnerschaft im besonderen nimmt Juden auf: an dem jüngsten X. deutschen Turnfeste beteiligten sich 800 Israeliten, und vier von ihnen trugen erste Preise im Wettbewerb davon. -Aber es ist nicht minder richtig, daß die deutsche Turnerschast duldet, daß ihre österreichischen und akademischen Mitgliedervereine grundsätzlich die Juden ausschließen und damit ein Grundgesetz ihrer eigenen Gemeinschaft verletzen. Wir tadeln keineswegs diejenigen jüdischen Jünglinge, die noch, so lange es angeht, der großen Vereinigung angehören — aber wir können auch die nicht verurteilen, die meinen, nicht abwarten zu wollen, bis man sie auch dort hinauswirft, und die lieber schon vorher gehen und sich untereinander zusammentun. Macht ein anständiger