Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Simon Eichelkatz
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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— 232 — eigentlich erst in einem Alter, wo man anfängt, aus der Jugend heraus zu sein .... ich überlegte einen Moment ... da hat sie dreimal recht. Ich komme mir mit meinen achtunddreißig Jahren wirklich schon sehr alt vor. .. Bin es in der That, und es fällt mir jetzt plötzlich ein, daß ich den Anschluß versäumt haben könnte. Und wenn ich gar nicht heiratete? Ist die Ehe etwas so zweifellos begehrenswertes? Ich dachte an Simon Eichelkatz. Aber wie kam nur meine Mutter auf ihn? Ich erinnerte mich nicht, seiner in meinen Briefen an sie erwähnt zu haben und. dann die übrigen Dinge, die sie berührte . . . plötzlich kam es wie eine Eingebung über mich: Herr Jonas Goldstücker. Und da stand es, richtig. Ein sehr zuverlässiger Mann hätte sich in einer diskreten, mich betreffenden Angelegenheit an sie gewendet . . . u. s. w. u. s. w. Die Vorzüge von Fräulein Rosa Ehrlich waren nun auch in Rawitsch bekannt. Ich mußte lachen, nahm mir aber vor, jedenfalls meinen alten Freund über die betreffenden Personen zu interpellieren. Am Abende war ich bei ihm. Er saß in der Nähe des Ofens, chatte eine wärmende Decke über feine Kniee gebreitet und schien trotzdem zu frieren. Auch erschien er mir müde und weniger frisch als in den letzten Tagen. Auf meinen fragenden Blick sagte er: „Es ist kalt, Herr Kreisphysikus, das ist eine böse Zeit für alte Leute. Von innen nichts, was einen erwärmt, und von außen die Kält'! . . . das is bitter, sehr bitter" . . . Dabei rieb er seine Hände und zog die Decke höher hinauf. Feivel Silbermann war eingetreten, hatte ihn besorgt angesehen, ohne daß er es merkte, und legte dann noch einige Stücke Kohle in den Ofen. „Wir heizen gut hier in Oberschlesien," sagte Simon, „aber was nützt das, wenn's innenwendig zu gefrieren anfängt." ■— Etwas melancholisches war in feiner Stimme. Ich lachte und sagte: „Feivel wird Ihnen auch von innen einheizen." Und dann ordnete ich an, daß er ihm einen heißen Thee mit Rum geben solle und jetzt während der kalten Tage Vormittag ein Glas Glühwein. Ich wußte bei mir, daß diese Hülfsmittel wenig nützen würden und daß es gegen diese Alterserscheinungen keine Remedien gab. Aber etwas Erleichterung konnte man ihm