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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 225

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Simon Eichelkatz
Date
1903-01-01
Page
Seite 225 (sequence 68)
Language
German
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— 227 — weis ging es schnell vorbei, nur nachher . . . bis ich wieder bin zu Kräften gekommen, aber es ist doch nicht nötig gewesen, daß man meine Frau hat gestört in ihrer Erholung und meinen Sohn. Der Herr Doktor Merzbach hat ihr erst wollen schreiben, aber, wie ich ihm Hab erklärt, warum ich es nicht will, hat er es unterlassen. Warum? Herr Kreisphysikus! Die Madame Eichelkatz wäre wohl zurückgekommen, wenn man sie hätt' benachrichtigt, aber die Lieb' hätte sie nicht gebracht in mein Haus und die Güte und Hingebung auch nicht, die ein kranker und schwacher Mensch braucht, und deshalb war mir lieber, sie war nicht da und konnte sich dort amüsieren mit ihrer Gesellschaft. Es war damals grad in die Mode gekommen, im Sommer zu verreisen, und die Madame Eichelkatz nee Böhm machte zum ersten Male diese Mode mit, und' dort traf sie ihre guten Freunde. Ich sagte das dem Herrn Rabbiner, und er überlegte sich ditz. Sache und siagte: „Ist denn da garnichts zu machen, Eichelkatz, daß Friede wird in Eurer Ehe? Jetzt, wo Euer Sohn bereits ein erwachsener Mensch ist, der nächstens auf die Universität gehen wird?" . . . Mir war als wollte der Herr Rabbiner mir einen Vorwurf machen, und da war es zum ersten und zum letzten Male, daß ich meinem Herzen Luft gemacht habe. Vielleicht weil ich so schwach und verlassen war. Und ich erzählte, was ich für Kränkungen und Demütigungen ausgestanden habe in den 20 Jahren. Und immer im Stillen tragen die Sach, weil man will kein Aergernis geben und dann wegen des Kindes, das nicht sehen sollte, wie es bei uns stand und das an der Mutter hing mit großer Liebe und Zärtlichkeit. Denn sie hatte ihn ganz für sich genommen ... ich bitt Sie, wer war Simon Eichelkatz aus Tarnow? Höchstens ein Mensch, der anständig war und arbeitsam, der aber nicht sich zu sagen getraute, was er dachte. Es war ja in jüdischen Häusern im Allgemeinen Sitte, daß die Frauen sich um das Haus und die Erziehung der Kinder kümmern, während der Mann dem Erwerb nachging. Aber da war eine innere Uebereinstimmung zwischen den Eheleuten, eine treue Zusammengehörigkeit, und die Mutter lehrte sie, daß der Vater, der für sie Alle sorgte und arbeitete, der Mittelpunkt sei. — 15*

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