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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 223

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Simon Eichelkatz
Date
1903-01-01
Page
Seite 223 (sequence 66)
Language
German
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223 auch die Protokolle bei den Sitzungen. Deutsch dagegen mußte sich sehr quälen. Er hatte zwei Töchter und einen Sohn, der in einem Konfektionsgeschäft in Bresläu war. Die Frau und die Töchter waren sehr fleißig, machten Stickereien für die Geschäfte und suchten auf jede Weise das geringe Einkommen des Vaters zu vergrößern. Auch der Sohn unterstützte die Familie, so daß nach außen hin sie immer mehr vorstellten als die Kinder der anderen Kollegen und sich auch sonst immer zu den besseren Familien in der Gemeinde hielten. Aber gerade das sollte ihr Unglück sein. In manchem Hause, wo Töchter waren, ärgerte man sich, daß die Töchter vom Lehrer Deutsch immer so schön angezogen gingen. Nicht wie arme Lehrerstöchter, sondern wie die Töchter reicher Balbatim. Die Lehrer hatten alle gemeinsam beschlossen, eine Teuerungszulage vom Vorstande zu erbitten. Es ging so nicht weiter. Das Brot, die Kartoffeln, Kaffee und Zucker waren unerschwinglich teuer. Fleisch aß man so wie so nur einmal in der Woch, am Schabbes, und es war unmöglich, das Heizmaterial anzuschaffen, das der harte Winter nötig machte. In einer sehr rührenden und dringlichen Denkschrift, die der Lehrer Herrnstädt versaßt hatte, wurde diese Angelegenheit dem Vorstande und dem Repräsentantenkollegium vorgetragen und gebeten, den Lehrern eine Teuerungszulage für das kommende Jahr zu bewilligen." Hier trat Feiwel Silbermann ein, brachte eine große Portionstasse mit Kaffee und eine frische Pfeife. Mit Behagen trank Simon den heißen Trank, rauchte einige Züge und sagte: „Ja, dazumal war uns nicht so wohl, Herr Kreisphysikus... erinnerst du dich noch an das Jahr 1859, Feiwel?" „Wie werr ich mich nich erinnern, Herr Eichelkatz? Werd man vergessen, as man hat gehungert und gefroren, zu Buß gesagt? Kleinigkeit! Haißt ä Jahr, das 59 er... ä Schnee hat gelegen vier Wochen lang und a Kriere is gewest, nicht gedenken gedacht zu werden, und Lehrer Deutschen seine Töchter haben neue Wintermäntel gekriegt" . . . damit schlüpfte er aus dem Zimmer und Simon sagte: „Ja, die Kälte war groß, trotzdem war man nicht wenig

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