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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 219

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Simon Eichelkatz
Date
1903-01-01
Page
Seite 219 (sequence 62)
Language
German
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219 oder später, nicht zu jener Ruhe, zu jenem Frieden gelangt, die Ihr Greisenalter verschönen?" Er hatte mir aufmerksam zugehört und ein melancholisches Lächeln spielte um seinen Mund. „Ruhe und Frieden, Herr Kreisphysikus, find't man erst, wenn man den Schmerz hat abgethan im Leben. Aber man muß ihn erst gehabt haben, um ihn abzuthun! ich Hab viel Schmerz gehabt, viel Schmerz und große Zores und wenn ich jetzt hier so ruhig sitz' . . . wissen Sie, glauben Sie mir, Herr Kreisphysikus, man gewöhnt sich so nach und Nach an die andere Ruhe, an die ohne End' und man denkt daran ohne Schreck und Angst ... manchmal sogar . . . wir wolln davon nicht reden Herr Doktor, gelobt sei Gott, daß er mir so ein langes Leben schenkt. Meine Frau ist zwanzig Jahr tot und . . ." Ich erwartete in höchster Spannung, daß er etwas von seinem Sohne sagen würde, aber er zauderte nur einen Moment und fügte hinzu: „33 Jahr haben wir zusammen gelebt, wissen Sie, was das heißt, Herr Kreisphysikus, wenn sie schon im ersten Jahr ihren Mann hat mißachtet und gering geschätzt? Weil er nich so fein war wie sie, blos ein Zugewanderter aus Galizien. Weil seine Mischpoche waren arme Leit, und sein Vater kein nobler Manufakturwarenhändler, blos ä Hausierer, und weil et hat nix gekonnt französisch? Und wenn ich auch später Hab gezeigt, daß ich was kann und was bin und wenn auch alle übrigen es haben eingesehn, für die Madame Eichelkatz bin ich immer nur geblieben ein untergeordneter Mensch, ein Eindringling, ein Parvenü und sie hat es ihrem Vater nie verziehen, daß er mich zu seinem Eidam gemacht hat. Und je besser es mir is gegangen im Geschäft und je reicher wir sind geworden, je desto stolzer und hochmütiger is sie gewesen. Ich war gut genug zum verdienen und gegen meine geschäftliche Thätigkeit hatte sie nichts einzuwenden, daß ich mir aber daneben auch Müh gab, meinen Geist zu bilden, dafür hat sie gehabt kein Auge. Für sie blieb ich immer Simon Eichelkatz aus Tarnow, ein Subjekt aus ihres Vaters Geschäft, ein Mensch mit einem lächerlichen Namen und ohne Manieren, den sie geheiratet hatte auf ihres Vaters Wunsch und Befehl. „Wie

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