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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 217

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Simon Eichelkatz
Date
1903-01-01
Page
Seite 217 (sequence 60)
Language
German
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217 im Geschäft bei Josef Böhm eingetreten, als Kommis und Hab später reingeheiratet ins Geschäft, weil Böhm es nicht allein hätt gekonnt weiterführen. Er is selber gekommen zu mir und hat gesagt: Simon, wenn Sie woll'n meine Tochter Friederike heiraten, brauchen wir kein Schadchones zu zahlen . . . Sie nich und ich nich. Sie kennen das Geschäft. Es is zurückgegangen in die letzten Jahr, aber wenn Sie es übernehmen, werden Sie es wieder hochbringen. Daß es ein gutes Geschäft war, wissen Sie, und ich bin nich mehr gewachsen der Konkurrenz, aber Sie werden es sein." . . . „Es schmeichelte meinen Ehrgeiz, daß der Herr Josef Böhm, einer der ersten Manufakturwarenhändler in Schlesien, mir seine Tochter persönlich hat angetragen. Mir, der vor drei Jahren erst als ein armer unbekannter Kommis war in sein Geschäft gekommen. Simon Eichelkatz. Wer war Simon Eichelkatz? Aus Tarnow gebürtig, von arme, aber ordentliche Leit, bin ich nach Reisnitz gekommen und Hab dort mein Glück gemacht. Wie haißt? Der Eidam von Josef Böhm! So etwas war noch garnich dagewesen! Aber ä Eidam kann man nur werden, wenn man nimmt sich eine Frau und ich Hab genommen Friederike Böhm, die sehr vornehm und fein erzogen war und die hat gekonnt französisch sprechen." Es fiel mir heute ganz besonders auf, was die Art seiner Erzählungen so eigentümlich charakterisierte. Sowie er über Persönliches sprach oder die Geschichten aus der Khille erzählte, behielt er meist den Jargon und Tonfall der Juden aus früherer Zeit bei. Sobald er aber ins Allgemeine kam, Gedanken und Betrachtungen ausdrückte, bekam seine Sprache Schwung, seine Ausdrucksweise wurde beinahe gewählt und fast niemals beeinträchtigte die Form den Inhalt dessen, was er sagte. Er wuchs dann gewissermaßen über sich selbst hinaus, und nicht einen einfachen alten Juden, sondern einen Weisen glaubt ich vor mir zu sehen. „Was hat man damals überhaupt gewußt von solchen Begriffen? Zwei Menschen hat man zusammengethan und gesagt, sehts wie ihr mit einander fertig werd" . . . fuhr er fort und ein leiser Schatten zog über sein sonst so mildes Antlitz.

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