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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 216

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Simon Eichelkatz
Date
1903-01-01
Page
Seite 216 (sequence 59)
Language
German
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216 „Und sehn Sie, Herr Doktor, wissen Sie, eine unglückliche Ehe ist eine ganze Ewigkeit von Gram und wer die durchlebt hat, der is so alt . . . so alt . . . Methusalem is ein Jüngling dagegen. Man hört jetzt öfter von Scheidungen. Früher galt das als eine Schand. Eine geschiedene Frau betrachtete man als etwas erniedrigtes, verstoßenes und ein Mann, der einen Get gab, stand auch nich in Ansehen. Es hatte immer einen mießen Beigeschmack. Und hier in der Khille gar . . . wenn einer war reingefallen, mußt' er daran glauben. Immer weiter schleppen das Joch, immer weiter . . ich will wahrhaftig Gott nichts sagen gegen die Madam Eichelkatz . . . und sie hat gewiß so darunter gehabt zu leiden, wie ich . . . aber wir paßten einmal nich zusammen. Meine poschete Natur und meine Gradheit und meine Unbildung waren ihr gewiß ebenso zuwider, wie mir ihre Bildung und ihre feinen Manieren und ihre noblen Ansprüche. Und daß ich Hab gemußt hinterm Ladentisch stehen, hat ihr nicht gepaßt, und mir hat nich gepaßt, wenn sie hat französisch gesprochen mit dem Herrn Oberstleutnant von Boddin. Ich bitt' Sie, Herr Kreisphysikus, schickt es sich überhaupt für eine bekowete, jüdische Frau, daß sie macht Knixchen, und daß sie laut lacht und sich unterhält mit den Offizieren, wenn sie gegen Abend vorüberspazieren beim Laden ihres Mannes? Und „gnädige Frau'' hin und „Madame Eichelkatz" her und ein Gethue und Gespaße und immer, dieses „Madame Eichelkatz" . . . und sie hat nicht wollen merken, daß sie sich machen lustig, und daß sie sich mokieren über den Namen Eichelkatz. Meinen guten, ehrlichen Namen, Herr Kreisphysikus." Armer Simon Eichelkatz, dachte ich, also Eifersucht ist die Leidensgeschichte deines Lebens. Als wäre er mit hellseherischen Kräften begabt und vermöchte meine Gedanken zu lesen, sah er mich scharf an und sagte: „Sie müssen etwa nicht glauben, daß ich bin eifersüchtig gewesen. Was man so darunter versteht, Herr Kreisphysikus. Nein, auf mein Wort nicht. Wie ich meine Frau, Friederike geborene Böhm, geheiratet habe, war von Lieb keine Rede zwischen uns. Wie man damals so geheiratet hat. Ich war

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