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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 214

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Simon Eichelkatz
Date
1903-01-01
Page
Seite 214 (sequence 57)
Language
German
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214 wein von Heim an n nicht, er sagte den Männern Grobheiten und neckte die Frauen . . . und niemand ahnte, wie sehr er sie innerlich verachtete, wie hoch er über ihnen stand. Aber mit einem scharfen Wort, sagte er wie er über alles dachte. „Wißt ihr, was unser Row ist?" sragte er einmal in meiner Gegenwart einige Balbatim, mit denen er Klabber spielte. „Eine Perl, .die man vor die Säue wirft." ... „Und die Rebbezin?" fragte jemand unter dem Gelächter der andern. Da erwiderte er plötzlich ganz ernst: „Das ist eine Perle aus der Krone eines Fürstengeschlechts . . . aber das versteht ihr nicht, woher auch? . . . Malke und Melech kennt ihr nur beim Kartenspiel . . ." dabei warf er das Aß auf den Tisch und sagte: „nehme ich mir den „Tauß", bei mir sind se besser aufgehoben, als in .eurer Hand." „Hast recht, Eichelkatz, daß Du Dich zum Rabbiner hältst," sagte er öfter zu mir, „und wenn Dir einer helfen kann is er es . . . denn der, ja der kennt die Seelen der Menschen und weiß was drinn vorgeht . . . und . . . ja die Rebbezin!" Und ich, ich Hab ewadde einen nötig gehabt, der verstanden hat, was in meiner Seel' is vorgegangen. Hab' ich es doch selbst kaum verstanden." Er machte eine Pause und sah nachsinnend vor sich hin. Ich beobachtete ihn stillschweigend und dann fing er an, mit einem Stimmklang wie aus weiter Ferne: „Wissen Sie, was eine unglückliche Eh' is, Herr Kreisphysikus? Woher sollen Sie es übrigens wissen? Sie sind doch ein' Einschichtiger. Gesehen und gehört haben Sie schon davon, aber das ist nichts, erlebt muß mans haben, selber erlebt, am eigenen Leib, dann weiß man erst, daß es das Traurigste is und Schrecklichste, was einem zukommen kann. Und beide Teile sind schuld, immer beide Teile. Denn sie haben beide nicht den Mut zur Wahrheit, zu gestehen, wir haben einen Mißgriff begangen, wir passen nicht zusammen. Und schleppt sich fein ganzes Leben lang mit der Lüg und dem Leid. Und stoßt sich immer von neuem sein Herz ab, und verbittert sich sein Leben und das anderer. Und wenn mans einsieht, is es zu spät und bis der Verstand kommt, is man zu alt und dann denkt man, es lohnt nich für die

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