Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Simon Eichelkatz
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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213 davon, der Buchhändler Karfunkelstein, dessen Väter Rabbiner war und der alte Eisenhändler Schlesinger, und dann war noch einer, der konnte, wenn er wollte. Ein gescheidter Mann, geistreich und witzig. Machte sich über die ganze Khille lustig und hatte großen Einfluß, denn sie fürchteten sich vor seiner scharfen Zunge, das war der neue CH äsen, der Kantor Elias, der kurze Zeit nach dem Rabbiner angestellt wurde. Ich bitt' Sie, Herr Kreisphysikus, es is doch mehr ein Unglück, wie eine Schand, wenn man nicht Gelegenheit hat, etwas zu lernen. Aber eine Schand is es, wenn man nicht hat Achtung vor dem Wissen anderer und wenn man diejenigen kränkt, zu denen man mit Verehrung aufblicken soll. Der Kantor Elias hatte einmal zu ihm gesagt: „Wenn Sie mit den Parchonim hier zusammenhalten wollen, lieber Herr Doktor, dann müssen Sie Klabberjas lernen und Franzefuß und Sechsundsechzig. Die Kartenblätter haben hier eine größere Wichtigkeit, wie die Gemoreblätter." — Recht hat er gehabt, Herr Kreisphysikus. Und, je schlechter er von den Leuten dachte und sprach und je nichtachtender er sie behandelte, desto besser waren sie zu ihm. Er konnte Alles durchsetzen. Jedes Jahr eine Gehaltszulage . . . und thuu und lassen, was er wollte und wenn er an Schabbes und Jontef vor 'nem Omed stand und zu singen anfing, waren alle ganz weg- Gesungen hat er . . . so was von Stimm' und so ein Vortrag ... ich weiß nich, ob's desgleichen noch giebt. Er rührte die Menschen bis ins Innerste . . . vielleicht können Töne mehr erschüttern, wie Worte . . . was meinen Sie? Herr Kreisphysikus? Aber er hätte jedenfalls die größere Wirkung und die größere Macht über die Khille. Denn was der Rabbiner ihnen sagte, darüber mußten sie erst Nachdenken, und was der Kantor ihnen vorsang, das brauchten sie nur zu hören . . . und dann nach „Schul" ging er mit ihnen zum Glase Wein, zu Heimann oder zum Frühstück zu Schäfer und Reb Michel Schäfer stand an der Thür zu seiner Gaststub und erklärte, wenn der Herr Kantor kommt, lach' ihm das Herz im Leibe. Und lustig und vergnügt ging's zu, wenn er dabei war. Der Kantor Elias war die populärste Figur. Er spielte mit den Leuten ein Partiechen, er frühstückte mit ihnen und verschmähte den Ungar-