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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 207

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Simon Eichelkatz
Date
1903-01-01
Page
Seite 207 (sequence 50)
Language
German
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207 mit Respekt zu melden? Aber der Name von Dr. Merzbach hatte einen guten Klang und man ist auch nicht umsonst der Eidam von Reb Salme Friedländer in Posen. Aber gerade das konnte Herr Dr. Krakauer, mit Respekt zu melden, ihm nicht verzeihen, obwohl er stets einfach und still sein schweres Amt verwaltete. Die Rebbezin allerdings, ja, die ließ keinen Zweifel darüber, was sie über den Sohn von Jsak Krakauer, rohen Lederhändler und seiner Frau Jette, ehemalige Köchin von Bernhard Markus, hielt. Die Rebbezin war stolz, das läßt sich nicht leugnen. Aber trotzdem war sie wohlthätig und edel und alle Armen in der Khille kannten und liebten sie, und an den Betten der Kranken und Sterbenden stand sie, und in der schrecklichen Cholerazeit ging sie mit ihrem Manne von einem zum anderen, furchtlos und mutig, und tröstete die Leidenden und half und sorgte und nahm sich der Hilflosen und Verwaisten an . . . nur Leuten wie Krakauer zeigte sie, daß sie die Emporkömmlinge verachtete, wenn sie nicht, wie sie sagte: auch geistig und moralisch hochgekommen sind. Sie können sich denken, Herr Kreisphysikus, daß es in der Khille immer „anständige" Leute gab, die jedes Wort, das die Frau Doktor sagte, dem Herrn Vorsteher zutrugen, noch übertrieben und ausgeschmückt. Da waren besonders zwei, Herr Meyer Nathansohn und Herr Saul Feuerstein, feine Leute. Der eine war als Schames und Kassierer bei der Khille angestellt, man nannte ihn Khilleversorger, weil er sich um alles bekümmerte, und war die rechte Hand von Herrn Dr. Krakauer, mit Respekt zu melden, der andere war ein bekannter „Pleitegeiher" und lebte ganz gut , davon. Diese beiden waren es, die wie die Spione jede Äußerung, jede Handlung der Frau Doktor ausspürten und weitertrugen. Sie machte sich nicht viel daraus und manchmal mochte es sie freuen, daß die Leute erfuhren, was sie über sie dachte, aber es gab doch immerfort Unruhe und Ärger und schließlich mußte es der gute ferr Rabbiner ausbaden. Was soll ich Ihnen sagen, Herr reisphysikus, wie die Synagoge hat fertig dagestanden und alle Schwierigkeiten waren überwunden, setzt der Dr. Krakauer, mit Respekt zu melden, und seine Helfer es beim Vorstands¬ und Repräsentantenkollegium durch, daß man zur Einweihung

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