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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Simon Eichelkatz
Date
1903-01-01
Page
Seite 204 (sequence 47)
Language
German
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204 von ihm ab, oder mit ihm zusammen. Es ist seine Mischpoche auf der einen Seite, auf der andern Menschen, mit denen er geschäftliche oder persönliche Beziehungen hat. Ist er ein sogenannter akademisch gebildeter Mann, dann ist die Sache noch schlimmer, denn dann thut er und die Khille sich darauf noch extra zu gut. In der Stadt gilt er auch etwas, ist mit den Christen gut befreundet und ist gewöhnlich Stadtverordneter. Das imponiert der Khille gewaltig und es fällt den „Naronim" nicht ein, daß sie ihn dazu gemacht haben. Mit Stolz sagen sie nur: unserRoschekolmuß doch ein sehr intelligenter Mann sein, Stadtverordneter ist er auch! An der Intelligenz fehlt es ja auch meistens nicht, aber am Charakter und an der wahren Güte und Humanität. Was man da sieht, ist meist nur von außen, wo es gilt schöne Redensarten zu machen und große Worte, aber innenwendig, alles kalt und hohl und berechnet. Bedacht, die eigene Person ins schönste Licht zu setzen und die andern zu kränken und ihnen Herzleid zu bereiten." . . . Ich drohte ihm lächelnd mit dem Finger und sagte: „Aber Reb Schime, ich glaube, Sie sehen zu schwarz, so arg wirds doch nicht sein." ... „Leben Sie fünfzig Jahr in einer Khille, dann wer'n Sie wissen, ob ich übertreib. Hätten Sie den Gemeindevorsteher Doktor Krakauer mit Respekt zu melden, gekannt. Sie hätten allerwenigstens so wie ich gesagt: Ein Roschekol is ein unangenehmer Mensch. Vielleicht hätten Sie noch mehr gesagt. Mancher in der Khille hat sich gekränkt, wie er is umgegangen mit den armen Beamten, nebbich, und hat die Faust geballt, aber sie waren zu schwach, um etwas zu thun ... ich auch, Herr Kreisphysikus. Was kann ein einzelner machen? Aber wenn ich heut daran denk', steigt mir noch die Gall." ... „Na, na mein lieber Reb Schime, wenn Sie sich aufregen, erlaube ich garnicht, daß Sie davon sprechen" . . . suchte ich ihn zu beruhigen. „Warum? Wenn man sich was vom Herzen redt, das schadet nichts. Lassen Sie mich ruhig erzählen, von Herrn Doktor Krakauer, mit Respekt zu melden. Daß er von ganz gewöhnlichen Leuten abstammt, will ich ihm nicht vorwerfen.

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