Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Simon Eichelkatz
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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203 Arzt, der könnte doch später einmal seine Praxis übernehmen." ... „So gewissermaßen in das Geschäft hineinheiraten" . . . ries ich aus. „Ja, Herr Kreisphysikus. Aber das ist nur nebenbei. Er giebt seiner Tochter trotzdem 50 000 Mark mit, genau so viel, wie der Rechtsanwalt Bobrecker mitbekommen hat und wenn Sie . . . Sie könnten doch jedenfalls dort einen Besuch machen ... ich bin sicher, wenn Sie Fräulein Edith erst kennen gelernt haben. Sie werden sehen, das alles, was ich Ihnen sage, aufs Haar stimmt. Sie hat kastanienbraune Haare." ... Die Jdeenverbindung war köstlich. „Und überhaupt auch sehr schön gewachsen, mittelgroß und wenn ich mir denke, wie Ihre alte Mutter sich freuen würde." ... Ich weiß nicht, ob ich Herrn Jonas Goldstücker hinauskomplimentiert habe, oder oo er freiwillig ging. Aber fort war er. Meinem Vetter, Doktor Feilchenstein, will ich aber heute noch einen groben Brief schreiben. 10. Oktober. „Wissen Sie, was ein Roschekol ist?" hatte mich Simon Eichelkatz mit verschmitztem Lächeln gefragt, als ich ihn heute Nachmittag besuchte. „Ein Roschekol ist ein^ Gemeindevorsteher," antwortete ich. Er lachte, ein leises, fast kicherndes Lachen, womit er gewöhnlich seiner guten Laune Ausdruck gab und sagte: „Ein Roschekol ist ein unangenehmer Mensch." „Doch nicht immer, Herr Eichelkatz?" . . . „Beinahe immer, wenn Sie ihn an den Kultusbeamten, nebbich, messen und auch an der Khille. Er ist gewöhnlich hochmütig, rechthaberisch, herrschsüchtig und ein Streber. Da er nichts anderes zu regieren hat, will er wenigstens die Gemeinde regieren, und die armen Kultusbeamten sollen ganz und gar von seiner Gnade abhängen. Widerspruch verträgt er überhaupt nicht und daß auch die Meinung eines andern zu respektieren wäre, fällt ihm garnicht ein. Er befiehlt und die andern stimmen zu. Denn diese andern hängen meist