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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 191

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Simon Eichelkatz
Date
1903-01-01
Page
Seite 191 (sequence 34)
Language
German
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191 nach den Ergebnissen der vorgenommenen Untersuchung erfolgt war durch den gewaltsam herbeigeführten Fall des Verunglückten. Der Thäter war ein Jude. Er wurde sofort in Haft genommen/ und es gelang nur mit Mühe, ihn der Selbstjustiz der aufgeregten, erbitterten Menge zu entziehen. Dagegen richtete diese sich gegen das Eigentum und die Familie des Missethäters. Man warf die Fensterscheiben ein, demolierte den Laden, ließ den Branntwein, diesen unheilvollen, verderbenbringenden „Sorgenbrecher" ans dem Fasse auf die Straße laufen, und mißhandelte mit Schlägen und Fußtritten die Angehörigen des Branntweinschänkers, die bemüht waren, ihr Hab und Gut vor der Wut der Vandalen zu schützen. Es war eine wüste, abscheuliche Szene. Die Polizei brachte nur sehr allmälig Ruhe und Ordnung hinein. Lag es daran, daß sie kein genügendes Aufgebot von Kräften hatte? Lag es an etwas anderem? Jedenfalls mußte ich selbst mich ins Mittel legen, um die Erregten zu beruhigen und es dauerte lange bis die Menge sich verlief, aus der immer wieder die Worte erklangen: „Totschläger, Mörder, Jude . . . Totschläger . . . Räuber . . . Gauner . . . Jude . . . Jude . . . Betrüger." . . . Das Alles hatte mich aufs Aeußerste deprimiert und entnervt und eigentlich wollte ich zu Hause bleiben, dann aber überlegte ich, daß es richtiger sei, diesen quälenden Eindrücken, ein anderes reines, friedliches Bild gegenüber zu stellen und so ging ich zu meinem alten Freunde. Ich fand ihn trotz dieser vorgerückten Stunde noch munter und freundlich, wie immer. Aber seinem forschenden Auge entging meine Verstimmung nicht und als er darnach fragte, erzählte ich ihm den Vorgang. Er rieb seiner Gewohnheit gemäß die Stirn mit Zeigefinger und Daumen, sah nachdenklich vor sich hin und sagte endlich: „so ist es heit und so ist es gewest immer. Wenn von irgend einer Religion einer ein Unrecht thut, ist es ein schlechter Mensch, der es gethan hat; passiert es aber unter unsere Leut, dann is es der Jud! Das is bitter, Herr Doktor, sehr bitter . . . aber es is ämal so und daran ändert sich nichts, trotzdem jetzt die Welt soll sein so gebildet und fortgeschritten und human . . . Jud bleibt Jud! In seire Augen etwas Extras, etwas Schimpfliches! Und darum muß der Jude zum Juden

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