Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Simon Eichelkatz
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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183 Bei diesen Worten brach auch die Menge in Weinen und Klagen aus, „wehgeschrieen, Gott nimmt nix an unsere Buß" riefen einige, während andere sich an die Brustklopften und schrieen: oschamnu, bogadnu ... Nur mit Mühe gelang es dem Rabbiner die Aufgeregten zu beschwichtigen. „Behaltet eure Vernunft, bewahret eure Ruhe . . . wir müssen versuchen, ob es nicht doch noch möglich ist, dem Verunglückten beizustehen, oder . . . wenigstens seinen Leichnam zu finden." Schauerlich hallten diese Worte wieder und es war, als verdunkle sich der Helle Tag, den die Sonne so grell und scharf durchleuchtete. „Es wird nötig sein, daß wir uns in einzelne Trupps verteilen, die die Ufer des Flusses absuchen, vom Mühlenwehr an, den Flußlauf entlang bis zur großen Schleuse am Hüttendamm. Das Wasser ist seicht infolge der großen Trockenheit der letzten Tage und es ist immerhin zu hoffen, daß irgend welche Spuren sich finden werden. Es wird gut sein, wenn ihr des Schwimmens kundige Leute mitnehmt und andere mit Stangen ausrüstet, auch wird der Herr Vorsteher veranlassen, polizeilicherseits unsere Nachforschungen zu unterstützen und den Herrn Mühlenbesitzer Goretzki bitten, das Wasser am Wehr abzulassen." . . . Die umsichtigen und ruhigen Weisungen verfehlten ihre Wirkung nicht. Im Augenblick hatten sich Gruppen gebildet, die Herr Moriz Liepmann organisirte und nach den verschiedenen Richtungen dirigirte. So zog man an den Fluß und der Witzbold der Khille, Reb Schmul Eisner, konnte selbst in diesem kritischen Moment sich nicht verkneifen zu sagen: „Taschlech machen an Schiwo oßer Betames." Viele christliche Einwohner der Stadt hatten sich der Expedition angeschlossen und so ging man hinaus, in der versengenden Glut des Tages Lehrer Sandberg zu suchen. Der Rabbiner und die Vorsteher begleiteten die Menge bis an die Wiesen, die den Fluß begrenzten, und ein kleines Häufchen zweigte sich nach dem Röhrteiche ab, um auch an der Ostropka, die Auffindungsarbeiten vorzunehmen. Die Stadt hat nämlich zwei Flüsse, Klodnitz und Ostropka. Daun begaben Doktor Merzbach uud seine Begleiter sich in die Gemeindestube, um dort die weiteren Nachrichten in