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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 177

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Simon Eichelkatz
Date
1903-01-01
Page
Seite 177 (sequence 20)
Language
German
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177 Himmel dieser gesegneten Ehe, die in dreiundvierzigjähriger innigster Gemeinschaft ein Bild reinsten und höchsten Glückes, vollster Zufriedenheit bot. Nur in ihrem Hause war die Rebbezin heimisch, in der Khille blieb sie immer eine Fremde. Und wissen Sie, Herr Kreisphysikus, wenn ich's recht bedenke, ich glaube, die Rebbezin ist immer ein Fremdling in der Gemeinde. Sie kann sich nicht anpassen." Ich mußte lächeln. Ich dachte an meine Mutter, die so ganz anders war. Aber freilich, das sind heut andere Zeiten und andere Sitten, und dann die kleine, enge Gemeinde, in der mein Vater wirkte, unter freundwilligen und lieben Menschen! ... Die „Rebbezin" ist wohl eine Erscheinung, die einer anderen Epoche angehört. 30. September. Der Herbst hat sich nun völlig über die Lande gesenkt. Rauh, düster fröstelnd, mit ewigen Regenschauern. Die Stadt ist nicht schön in solcher Verfassung, und sicherlich würde ich meinem Hang zur Melancholie erliegen, wenn ich nicht meinen Beruf hätte und — Simon Eichelkatz. Er spricht von allem Möglichen. Nur wenn das Gespräch eine Wendung nimmt, die zu seinen persönlichen Erlebnissen führt, wird er einsilbig und zurückhaltend. Ich weiß daher im Grunde wenig von ihm. Außer den Andeutungen, die mir einmal Feivel Silbermann gemacht hat über seinen „geschmadten" Sohn Friedrich Eichner habe ich nichts von ihm erfahren. Es widerstrebt mir, einen Diener auszusragen, wenn ich auch überzeugt bin, daß hinter der scharfen, ironischen Betonung, mit der er bei jeder Gelegenheit sagt: „Die gnädige Madam Eichelkatz" etwas steckt. Offenbar war die verstorbene Madame Eichelkatz nicht nach seinem Geschmack. Von anderer Seite wird mir auch nichts bekannt. Ich habe meine Karte noch immer nicht abgegeben in den „ersten jüdischen Familien" der Gemeinde und habe noch keinerlei Beziehungen. Ich will es aber wirklich nächstens thun. Vorläufig bin ich mehr zu Hause bei den Toten dieser Gemeinde, die Simon Eichelkatz hoffentlich vor mir nach und nach wird aufleben lassen, wie bei den Lebenden. Diese versunkene Welt regt mich lebhaft an, und ich interessiere 12

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