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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 176

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Simon Eichelkatz
Date
1903-01-01
Page
Seite 176 (sequence 19)
Language
German
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176 dieses Haus war heiter, vornehm, gesellig. Mrgends unterhielt man sich so gut wie bei vr. Merzbach, die „Freitag- Abende" beim Herrn Rabbiner waren bekannt als Sammelpunkt der Gebildeten, geistig Höherstehenden in der Gemeinde und in der Stadt. Und auch Christen gehörten zu diesem Kreise. Sie können sich denken, Herr Doktor, was das für böses Blut machte. Aber die „Rebbezin" machte sich nichts daraus und niemand konnte ihr etwas anhaben, denn der Ruf ihrer Frömmigkeit war unantastbar und es gab viele, die behaupteten, sie stehe auf einem orthodoxeren Standpunkt Wie der „Row". Es war etwas wahres daran. Er als der große Talmudist mochte manche freiere Auslegung der Gesetze finden, mancher Neuerung die Wege bahnen, während sie fest auf dem beharrte, was ihr aus dem großväterlichen und elterlichen Heim geheiligt war. Ich erinnere mich noch daran, wie er einmal, an einem sehr heißen Tage zu mir ins Kontor kam, den Hut abnahm und sich die Stirne abtrocknete und dann ohne Kopfbedeckung sitzen blieb, als plötzlich draußen im Laden die Rebbezin sichtbar wurde. Hastig und mit verlegenem Lächeln griff er nach seinem Hut und sagte: „Gott behüte, daß meine Frau sieht, daß ich ohne Käppchen sitze" ... Solche Kleinigkeiten und Äußerlichkeiten gaben ihr einen Nimbus, und dann ihre große Wohlthätigkeit und Gemeinnützigkeit. Es gab keine humane Veranstaltung in der Gemeinde und in der Stadt, deren Haupt sie nicht war. Und äußerlich kühl und zurückhaltend, immer von stolzer Haltung, war sie doch von aufopferungsvollster Güte, wo es galt, zu helfen. Ich habe sie während der Choleraepidemie an den Krankenbetten gesehen .... und ich weiß, was sie für ein Herz hatte bei ihrem großen Verstände. Die andern aber kamen ihr nicht näher, denn die beurteilten sie nur nach ihrem Verstände, und der ließ sie oft hart und kalt erscheinen. Aber ihr lag nichts daran. Sie hatte gar nicht den Wunsch, diesen Leuten näher zu treten, die ihr roh and ungebildet dünkten und wenig sympathisch waren, vr. Merzbach versuchte wohl manchmal, sie umzustimmen, aber das war der Punkt, wo sie nicht nachgeben wollte, vielleicht auch konnte sie es nicht. Das war wohl die einzige trübe Wolke am

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