Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Simon Eichelkatz
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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175 Großvater genähert. Die „grobbe" Art, mit der man wagte, ihrem Manne zu begegnen, diese zudringliche Vertraulichkeit verletzten sie daher auf ärgste. Und unerschrocken und selbstsicher, wie sie war, machte sie aus ihrer Gesinnung keinen Hehl. Das gab nun zu ewigen Reibungen Veranlassung und der Row machte verschiedene Versuche, sie mit ihrer und seiner Stellung auszusöhnen. Aber obwohl sie ihren Mann verehrte wie einen Heiligen und liebte mit der Hingebung und Treue der echt jüdischen Ehefrau, darin war sie unerschütterlich. Vielleicht gerade deswegen. Denn unbewußt fühlte sie heraus, daß man dieser „Rotte" nicht allein mit Güte und Milde beikommen könne, sondern daß auch Strenge und Stolz dazu erforderlich seien. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Dr. Merzbach den Kampf nicht hätte ausfechten können ohne seine mutige Ehehälfte. Daß sie manche Kränkung, manche Bosheit ihm ferne hielt, ist gewiß. Keiner traute sich recht mit ihr anzufangen. Und wenn die Frau vr. Merzbach über den Ring schritt, so verzog sich manch einer scheu um die Ecke, der ein schlechtes Gewissen hatte, wegen Klatscherei, Jntriguen und Hetzereien, deren die „Gegenpartei" sich bediente, um gegen den herrlichen Mann zu wühlen. In seiner Gutmütigkeit war er ihnen kaum gewachsen, vor der Rebbezin aber zitterten sie. Und glauben Sie mir, Herr Kreisphysikus, sie hatte Recht, sie konnte nicht anders. Nur so war dem Heuchlerpack beizukommen. Wenn sie nicht Furcht gehabt hätten, sie hätten den Mann, der ihnen die Wohlthat geordneter und gesitteter Verhältnisse bringen wollte, noch wüthender angefeindet. Genug Bitternis haben sie ihm bereitet und er wäre wohl auch manchmal müde und entmutigt zusammengeklappt, wenn seine Häuslichkeit nicht ein Gegengewicht gebildet hätte gegen die Versumpftheit der „Khille". Und darin war die Rebbezin bewundernswert. Sie war ebenso klug wie stolz, und selbst ihre größten Gegner, zu denen manche von den sogenannten Honoratioren aus Neid auch gehörten, gaben zu, daß sie Geist und Verstand besaß und auf alles einzugehen wußte, daß sie moderne Bildung sich anzueignen bemüht war, und in ihrem Hause die besseren Elemente der Gemeinde um sich vereinigte. Und