Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Simon Eichelkatz
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Aurum-Stinkum haben wir als Kinder immer gesagt. Aber die Orthodoxen haben gethan, als wüßten sie von nichts... Stinkum! Sie haben ihm nicht wenig zugesetzt mit seinem Bart und mit seiner Toleranz. Schon nach der ersten, großen Rede, von der ich Ihnen Hab erzählt, haben sie sich zusammengethan, nachmittag beim Scholausch sndes, beim Reb Dovidel Kessler, und haben angefangen, gegen ihn zu wühlen. Mas haißt/ haben sie geschrieen, ,es gebt nix Gutes' und nix Böses ... meschugge is er . . . was sinn das für Chochmes? Und trogt ä neumodischen Bart, wie ä ... . Gallach, und ä Talar und ü Barett .... und den Talles ä so schmal, wie ä Cravattel . . . das soll ä Row sein?' . . In dieser Stunde hatte sich schon eine Gegenpartei gebildet, die gegen alle Neuerungen und notwendigen Reformen, die Dr. Merzbach einführte, auftrat. In heimlicher Maulwurfsarbeit, denn öffentlich wagten sie keine Opposition, weil die intelligenteren und wohlhabenden Kreise in der Gemeinde zu ihm hielten. Besonders aber die jungen Leute bildeten seinen treuen Anhang. An den „Schaboßim", wo er predigte, war die Synagoge stets überfüllt. Er versammelte außerdem am Nachmittage in seinem Hause alle diejenigen, die über religiöse und moralische Fragen sich belehren wollten, und wie die Jünger um ihren Meister, so schaarten sie sich um den Mann, der Licht in das Dunkel ihrer Vorstellungen und Begriffe bringen wollte. Man hatte für die Gegner rasch eine Bezeichnung gefunden und nannte sie verächtlich: „Die Opposition". Hinterlistig, doppelzüngig,fälsch, kriecherisch,niederträchtig und mit der gefährlichsten Waffe der Verleumdung zogen sie gegen Or. Merzbach ins Feld. Noch heute, wo Simon Eichelkatz mir davon erzählt, überfällt den sonst so Gelassenen etwas wie ein heiliger Zorn. „Und was hatte die Khille ihm alles zu danken," rief er aus. „Unsere Sprache verbesserte er, aus dem Jargon, in dem wir Alle redeten und der uns auch heute im Eifer des Gesprächs noch manchmal überfällt, entwickelte er durch die Macht und Schönheit seines Vortrags auf der Kanzel das Bestreben nach einer besseren, gebildeten Ausdrucksweise. Die jüngere Generation hatte es gut, , die kam leicht hinein in diese neue und bessere Zeit. Uns Älteren wurde es schon schwerer ...