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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 164

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Simon Eichelkatz
Date
1903-01-01
Page
Seite 164 (sequence 7)
Language
German
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164 Er spricht nicht von ihm ... er weiß wohl auch nichts von seinem Leben und seiner wissenschaftlichen Bedeutung. Nur neulich, als er mir von der „neuen" Synagoge erzählte, sagte er in Gedanken versunken: „Die erste Barmizwah, die dort stattgefunden hat, war die meines Sohnes. Ich erinnere mich noch der Rede, die unser Row damals gehalten hat . . . von der Elternliebe und der Treue für. die Führer unserer Jugend. . . . Herr Kreisphysikus, unser Rabbiner war ein seiner und ein gescheidter Mann, aber was ein Kind wirklich sein soll, hat er doch nicht verstanden. Von uns fort soll es wachsen, über uns raus soll es wachsen, größer als wir und stärker und höher . . . und nichts wollen soll man von ihm und nicht rufen soll man, komm und bleibe hier bei mir, wo es eng ist und wenig Luft. ... Genug für einen alten Mann! Aber zu wenig für Dich! Und nicht mein Kind sollst Du sein und nicht ein Kind, ein Junges, das nach dem Stalle schreit, wo Vater und Mutter auf dem Weichen Stroh sich wälzen, Thieren gleich. Fortpflanzen sollst Du Dich ... ein Mensch sollst Du sein, nicht ein Kind." Simon Eichelkatz ... Friedrich Eichner! Meine Seele ist weich und ich liebe meine teure Mutter, die mir ein gütiges Schicksal erhalten hat, und ich segne und ehre das Andenken meines verstorbenen Vaters ... ich bin durchaus anderer Ansicht über dieses Thema, wie Simon Eichelkatz, aber mir war es, als hörte ich ein Kapitel aus Nietzsches Zarathustra. . . . Niemals klang dieser Name an Dein Ohr, Simon Eichelkatz! Du hast die Khille nie verlassen und lebst seit 20 Jahren einsam, mit Deinem Pfleger Feivel Silbermann. . . . Dein Sohn aber hat große Werke über des Zarathustra Lehren geschrieben. 24. September. Die Mitglieder der hiesigen Gemeinde fangen an, mich für einen Sonderling zu halten. Ein neuer Kreisphysikus jüdischen Glaubens hätte gewissermaßen die Verpflichtung, sich zu den Honoratioren unter seinen Glaubensgenossen zu gesellen! Man erwartete das auch von mir und sicherlich hätte ich auch meine Karte längst bei den wohlhabenden und sich vornehm und gebildet dünkenden jüdischen Familien abgegeben

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