Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Simon Eichelkatz
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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162 daß jemand kriegt ä Sympthon. . . Ich erklärte ihm die Bedeutung des Wortes und er atmete wie befreit auf. . . . „Gelobt zu Gott, wenns weiter nix is . . . aufpassen wer ich schon auf de Sympthomer, Herr Kreisphysikusleben." . . . „Ich werde morgen wieder nachsehn, wie Herr Eichelkatz sich befindet" sagte ich „und ich hoffe es wird nicht nötig sein, den Herrn Professor Eichelkatz zu verständigen. . . ." In diesem Augenblicke fiel mir ein, daß ich nie einen Universitätslehrer dieses Namens hatte nennen hören. . . . „Er haißt gar nix Eichelkatz" flüsterte Feivel ingrimmig. „As einer kann sich schmadden, kann er auch sein Vaters Namen äwegwerfen. Worum nich? Was brauch einer Eichelkatz zu heißen, wenn er is ä Professor? Da paßt sich's ewadde besser, man haißt Eichner . . . haißt ä Name. ..." Eichner: Professor Friedrich Eichner, der gewaltigste unter den modernen Denkern, der weltberühmte Philosoph, ein Sohn von Simon Eichelkatz! 22. September. Ich sehe die „neue" Synagoge jetzt täglich. Sie ist vor 40 Jahren eingeweiht worden wird aber immer noch die „neue" genannt. Einen Rabbiner hatte man sich dazu aus Berlin verschrieben, nachdem der Ortsrabbiner 10 Jahre lang daran gearbeitet hatte, den Neubau zu ermöglichen, indem er die Baugelder zusammenscharrte, durch Aufrufe die Glaubensgenossen dafür erwärmte, bei den Behörden alle Hindernisse beseitigte . . als es so weit war, kränkte man ihn bei den Einweihungsfeierlichkeiten durch Hintenansetzung. ... Ist Würde und Gerechtigkeit wieder unter Euch? Sind die Jahre an Euch nicht spurlos vorübergegangen? O, ihr, die ich liebe . . . meine Glaubensbrüder! Vierzig Jahre! Neue Geschlechter sind erblüht seit jenen Tagen, wo Hochmut und Ehrsucht einen edlen Geist betrübten und ihn um die Früchte seiner gottgefälligen, gesegneten Arbeit bringen wollten. Ein anderer sollte an seiner Stelle das Werk segnen, das er ins Leben gerufen und gefördert hatte. An dem Tage seiner höchsten Ehre, goß man Wermut in seine Seele . . . erfüllte man sein edles Herz mit Bitterkeit. Aber er verzieh! Nach und nach erfahre ich alle diese Geschichten aus der Khille.