Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Simon Eichelkatz
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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161 Allem, er hat einen großen Vorzug in meinen Augen, er ist Simon Eichelkatz in seltener Treue ergeben. Als ich bei meinem ersten Besuch meine Untersuchung beendet hatte und den Erkrankten verließ, schlich Feivel mir nach, hielt mich auf der letzten Treppenstufe fest und fragte mit angstvollen Mienen: „Was fehlt Reb Schime? Js er Gott soll verhüten etwan wirklich krank? So war er noch nie gewest ... ich kenn ihn zu gesund zwanzig Jahr . . . aber so wie heit. ..." Dabei haschte er nach meiner Hand . . . „ich muß nebbich schrein. So is ers gewöhnt . . . und wenn ich auf einmal mit de feinen Manieren kam .'. . kennt er meinen, es is chaßwescholaum zu Ende mit ihm. . . . Ich bitt' Sie, Herr Kreisphysikusleben, wenn einer immer schreit und meints ehrlich, is das nich e so viel, wie wenn einer immer leise redt und is falsch . . . ä falscher Hund bellt nix. Gelobt zu Gott, Reb Schime weiß, was er an mir hat. . . . Zwanzig Jahre, seit de Madame Eichelkatz ist gestorben, bin ich bei ihm. Sein einziger Sun, is ä Professor von de Universität in Berlin, . . . geschmadt, Herr Doktor, geschmadt" . . . fügte er mit heiserer Stimme hinzu. „Seit damals, wie die gnädige Madame Eichelkatz ist gestorben, wohnen wir hier, auf'n Mehlmarkt und er hat ihn nicht wieder gesehn, Herr Doktor . . . aber jetzt, wenn er chaßwescholem krank wird . . . er is ä alter Mann ... ich weiß nich, was ich soll thun?" . . . Also Simon Eichelkatz hat ein Schicksal ... ein nicht alltägliches vielleicht. . . . Ich hätte dem sanften, heitern Greise das nicht angesehen, aber Feivel konnte ich beruhigen. „Es ist nichts ernstliches, ein Schwächezustand, wie er in diesen Jahren nicht außergewöhnlich ist," sagte ich ihm, „er wird ohne weitere Folgen vorübergehen. ..." Er sah mich mit einem Blick so dankbarer Ergebung an, daß es mich rührte; „natürlich Sie müssen aufpassen und ihn gut pflegen, denn bei diesem Alter ist jedes Symptom wohl zu beachten." „Ae Symptohn hat er?" fragte er wieder verängstigt, „kann ä Symptohn gefährlich Wern . . . is es böse Kränk? . . . Symptohn . . ." er wiederholte das Wort mehrere Male . . . „ich Hab schon gehört daß jemand kriegt ä Herzkrankheit, oder ä Nierenleiden, zu Buß gesagt, oder den Rewmatismus, aber 11