Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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134 dem ich den Abraham b. Isaak Jarchi (s. Steinschneider 1), Cat. München, p. 12), den Eommentator des Euklid, erkennen zu dürfen meine. Sie haben wohl auch irgendwo von diesem Abraham gesprachen, ich habe aber bisher vergeblich danach gesucht. Sollten Sie eine andere Lösung für richtig halten, so bitte ich, mir sie mittheilen zu wollen. Mir hat Jemand erzählt, er wäre mit Rapoport bei der Zappert gewesen und hätte da in die Handschrift Luzzatto's Einsicht nehmen können. Nach Ihren Mittheilungen muß ich das Zeugniß verdächtigen. In den ״Monatstagen" verwandeln sie zwar die Alte in einen Cherubs aber an ihrer Existenz scheinen sie nicht gezweiselt zu haben. Ist Ihnen während Ihres Prager Aufenthaltes die Zappert selbst bekannt worden? Hängt die Geheimthuerei der Frau, wenn sie wahr ist, nicht mit der sabbatianischen Bewegung zusammen, die auch in Prag in weiten Kreisen um sich gegriffen haben soll? Da ich eben der ״Monatstage" erwähnte, so erlauben Sie mir wohl die Frage, ob Sie mit Mannheimer in Freundschaft gelebt haben, da hier Jemand aus __ Ihrer kurzen Erwähnung seines Namens in dieser Schrift 1 2 3) das Gegentheil folgern wollte. Fast scheint es mir, als ob es mit den Akademieen und ihrer Mitgliedschaft nicht besser als mit dem Adel erginge. Man wird eben nicht ohne eigenes Hinzuthun geadelt. Dazu kommt, daß die jüdische Wissenschaft noch immer als etwas betrachtet wird, um das sich die Juden selbst kümmern sollen, wovon man also auch gar keine Kenntniß zu haben braucht. Wenn aber die Wissenschaft nichts gilt, so können auch ihre besten Träger keine Anerkennung finden. Hierzulande scheint es ein wenig besser zu stehen. So hat jüngst das Ministerium für Kultus und Unterricht in seinem amtlichen Berichte über die Entwicklung des Schulwesens in Ungarn auch unserer Anstalt in sehr auszeichnender Weise gedacht. In Deutschland schießt augenblicklich der Weizen der Unduldsamkeit und Verfolgungssucht munter in die Halme. Wenn es den Schreiern nachgehen wollte, so würden wohl auf die Socialisten die Juden gefolgt sein., Hier adelt man die Juden, vierteldutzendweise auf einmal, .... vor Allem.Hier spricht man von nichts, als von der Pest. Die segenverbreitende Aufgabe Rußlands ist durch den neuesten Seuchenherd nur allzu anschaulich illustrirt worden. Hoffentlich wird die Langsamkeit des Würgengels an der Unthätigkei; der Regierungen sich ein Beispiel nehmen. In Erwartung baldiger Antwort bleibe ich Ihr Sie innig verehrender David Kaufmann. 1) Vgl. jetzt desselben hebr. Uebers. S. 508. 2) Vgl. S. 131, Anm. 2. 3) S. 13.