Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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132 ist eine zu sehr selbstständige Natur, als daß er sich in eine Lage finden könnte, in der man hauptsächlich darauf bedacht sein muß^ recht ruhmredige Berichte an die Gesellschaft zu schicken, die ihn dahin gesetzt hat. Er scheint sich auch nicht an die Weisungen zu halten, die ihm von Paris aus zugehen, und handelt nach eigenem Ermessen. Trotz der großen Schätzung, die auch das Central- Comite für seine Fähigkeiten und seinen Character hegt, dürfte es kaum gelingen, ihn für diese Stelle zu erhalten. Es hat nicht geringe Opfer gekostet, ehe er zu dieser Reise und zu diesem Exil sich entschlossen hat; ein Kind ist auch ein Opfer des Klimas geworden, und nun, da sie mit harter Noth sich ein wenig eingerichtet haben, soll die Stellung wieder erschüttert sein. Hoffentlich besinnt sich der sonst unbeugsame Mann, ehe er von Neuem sich in die Verzweiflung stürzt, die ihn aus Berlin trieb. Für mich hat seit gestern, nach achttägiger Unterbrechung, die Arbeit in der Schule wieder begonnen. Am ersten Sonnabend dieses Chanuka hielt ich in unserer Synagoge eine Predigt, da ich von Zeit zu Zeit meiner Pflicht als Lehrer der Homiletik nachzukommen trachten muß. Ich bin dadurch, daß ich mir Handschriften aus Oxford, Wien, Berlin und Petersburg in der Meinung kommen ließ, daß ich in diesem Jahre das Programm unserer Anstalt werde liefern müssen, sehr in Anspruch genommen. Aber es freut wich auch diese anstrengende Arbeit, da ich dadurch Material für lange Zeit zu sammeln in der Lage bin. Es sind meist arabische Philosophen, mit denen ich mich jetzt in Originalen und Ucbersetzungen beschäftige. Erfreuen Sie bald mit freigebiger Antwort Ihren in unwandelbarer Verehrung Ihnen anhangenden David Kaufmann. Am Ende, von Zunzens Hand die Notiz: 7. Juni 1852 geb.*). 64. Zunz an Kaufmann. Da ich gar nichts, was interessiren könnte, mitzutheilen habe, will ich wenigstens Ihre Frage über die Fabel von Frau Zappert dahin beantworten, daß ich davon hörte, als ich vor 43 Jahren in Prag wohnte. Wahrscheinliche ist die Frau längst tot; keiner in Prag weiß von den angeblichen Mss. Und ich halte das Ganze für eine müßige Erfindung, dergleichen in Böhmen nicht selten sind. Ich glaube nicht, daß Sie etwas Anderes erfahren werden, falls ג) Kaufmanns richtiger Geburtstag war, wie Rosenthal a. a. O. S. V, Anm. nachgewiesen hat, Sonntag, 19. Siwan 5612 — 6. Juni 1852. Allerdings hat er, stets den 7. Juni als seinen Geburtstag gefeiert. So schreibt er auch selbst in dem Briefe an Zunz vom 8. XI 1874. ״Ich bin am 7. Juni 1852 zu Kojetein in Mähren geboren."